Was schon war

Wertschöpfung in der Region: Vom Stromspeicher zum Getreidespeicher

Info-Tour der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V.

Vom Stromspeicher zum Getreidespeicher – moderne Technik bei den Erneuerbaren Energien und in der Ökologischen Landwirtschaft“, war das Motto der diesjährigen Info-Tour am 12. Oktober 2019 der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V.

„Wir sollten nicht nur technische Lösungen suchen, um den Klimawandel zu mindern, sondern auch darüber nachdenken, wie wir unser Verhalten ändern können“
(Geschäftsführer Stefan Göb, NE-Solar, Werneck)

Die Busfahrt ging zunächst nach Werneck zur Firma NE Solartechnik, um zu erfahren was es Neues gibt in der Solartechnik, auch in Verbindung mit Stromspeicher. „Wir sollten nicht nur technische Lösungen suchen, um den Klimawandel zu mindern, sondern auch darüber nachdenken, wie wir unser Verhalten ändern können“, so Geschäftsführer Stefan Göb zu Beginn. „Wie können wir unser Mobilitätsverhalten umstellen und den zu hohen Resourcenverbrauch reduzieren?“ „Jeder Verbraucher sollte mit diesen Fragen beginnen, denn alles was wir zunächst Einsparen, müssen wir erst gar nicht erzeugen“, so Göb, der seinen Beruf auch aus persönlicher Überzeugung gewählt hat. Er selbst sieht ergänzend zur Energieeinsparung die dezentrale Energiewende durch regionale Stromerzeugung mit Erneuerbaren Energien als entscheidenden Lösungsweg. Neben der Erzeugung und Nutzung von Solarstrom am Tag sei dabei die Kopplung mit Speichern die Basis, entweder durch Umwandlung in Methan oder Gas oder in Solarstromspeicher zuhause.

Wann machen Stromspeicher Zuhause Sinn?
Die Kernfrage für viele Privathaushalte ist, wann Stromspeicher Sinn machen, sowohl technisch als auch wirtschaftlich. Stefan Göb erläuterte, dass dies immer individuell pro Haushalt beraten werden muss, denn es hänge von vielen Faktoren ab, wie z. B. Gesamtstromverbrauch sowie Tages- und Nachtbedarf des Haushalts, oder Häufigkeit der Ladezyklen. Ein tägliches Aufladen am Tag sowie Nutzung und Entleerung des Stromspeichers abends und nachts sollte mindestens etwa 200mal im Jahr erfolgen, damit ein Stromspeicher sich finanziell rentiere und auch unseren Ressourcenverbrauch wirklich reduziert. Bei einem Haushalt mit zum Beispiel durchschnittlichen Jahresbedarf von 4.500 kW/h im Jahr könnten etwa 1.500 kW/h über eine Zwischenspeicherung genutzt werden. So könne man über das Jahr verteilt mit der Eigenstromnutzung und Speicherabrufung eine Stromautarkie von etwa 80% erreichen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch eine intelligente Verbraucherregelung, also wann welche Hauptverbraucher im Tagesverlauf eingeschaltet werden. Momentan gebe es für Solarstromspeicher in Privathäusern auch ein Förder-Programm in Bayern, allerdings nur in Verbindung mit der Anschaffung einer neuen Photovoltaikanlage. Die Höhe der Förderung hänge dabei von der Kapazität des Batteriespeichers ab und kann von 500 Euro bis maximal 3.200 Euro gehen.

Welche unterschiedlichen Speicher es momentan auf dem Markt gibt zeigte NE-Mitarbeiter und Elektrotechnik-Ingenieur Armin Zeitz. Mittlerweile könne der Nutzer aus einer großen Vielzahl an Bauformen und Leistungsklassen auswählen. Dazu stellte er verschiedenartige Lithium-Ionen-Batterien sowie Ladetechniken vor.

Bei der abschließenden Betriebsführung bei NE-Solar konnten sich die Teilnehmer der Infofahrt auch noch verschiedene Ladesäulen für Elektroautos ansehen und lernten darüber hinaus, dass eine gemischte Solardach-Nutzung mit Süd-, West- und Ostrichtung durchaus Sinn macht, um eine ideale Sonnenenergieausbeute ganztägig zu nutzen. Einen wichtigen Appell hatte Stefan Göb auch noch: „Unser Handwerk und auch wir suchen Hände ringend Facharbeiter.“

Ökologische Landwirtschaft – Vielfalt als Basis
Beim zweiten Teil der Info-Tour nahm das Betriebsleiterehepaar Bernhard Schreyer und Petra Sandjohann die Teilnehmer mit auf eine Reise in die Ökologische Landwirtschaft. „Wegen dem Klimawandel wird es zukünftig immer wichtiger, dass wir auf viele verschiedene Sorten und Vielfalt setzen“, so Schreyer.

„Wer einmal auf ökologische Landwirtschaft umgestellt hat, der will nichts anderes mehr machen. “
Bernhard Schreyer, Betriebsleiter Schloss Gut Obbach

Der landwirtschaftliche Betrieb wurde 1998 auf biologisch-organische Landwirtschaft nach den Richtlinien von Naturland umgestellt und baut eine sieben gliedrige Fruchtfolge an. Spannend zu hören war, wie das Ehepaar immer wieder neue Projekte gestartet hat, um den Hof weiter zu optimieren. „Wer einmal auf ökologische Landwirtschaft umgestellt hat, der will nichts anderes mehr machen. Man muss immer wieder neue Probleme lösen, aber mit Kreativität und Spaß gelingt das“, so Schreyer. „Dabei war es für uns immer wichtig, dass wir Projektpartner gefunden haben, mit denen wir uns menschlich gut verstanden und auf Augenhöhe austauschen konnten“, ergänzt Petra Sandjohann.

Über die Frage, wie die Fruchtfolge weiterentwickelt werden kann, kam die Idee für ein neues Projekt zusammen mit einem Großabnehmer, der Schälsonnenblumen in größeren Mengen benötigte. Mittlerweile werden gemeinsam mit anderen Naturland-Betrieben über 1000 Tonnen Schälsonnenblumen erzeugt und daraus ca. 350 Tonnen hochwertige, geschälte Sonnenblumenkerne hergestellt. Möglich wurde dies auch durch die Investition in eine komplett neue Sortier- und Bearbeitungsanlage in Verbindung mit einer hochmodernen Speichertechnik, die 2018 in Betrieb ging. Diese zusätzliche Wertschöpfung auf dem Schloss Gut Obbach konnten die Teilnehmer vor Ort besichtigen und staunten, welch umfassende Verfahrenstechnik mittlerweile in den Lagerhallen integriert ist.

Zum Gut Obbach gehört ebenso ein Hofladen, dessen Konzept Petra Sandjohann der Gruppe erläuterte. Neben den selbst erzeugten Obstsäften gibt es verschiedene ökologisch hergestellte Getreidesorten sowie Gemüse, Eier und Brotaufstriche von weiteren Partnern. „Man muss für etwas brennen, damit es richtig funktioniert“, resümierte Bernhard Schreyer. Diesen Eindruck nahmen die Infofahrt-Teilnehmer auch mit nach Hause, denn die Begeisterung des Betriebsleiterehepaar für die verschiedenen Projekte konnte man bei deren Ausführungen regelrecht spüren.

Müll-Lagerung sowie stoffliche Verwertung müssen optimiert werden

24. April 2019: Bericht von der Jahreshauptversammlung
„Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit in Deutschland und in der Region wieder die Müllproblematik erkennt und sich damit vermehrt auseinandersetzt“, so Johannes Neupärtl, stellv. Vorsitzender bei der Jahreshauptversammlung der Bürgeraktion Müll und Umwelt e. V Schweinfurt. Er und erster Vorsitzender Dr. Peter Möhringer gingen im Jahresrückblick auf die Situation im Landkreis und der Stadt Schweinfurt ein. Laut des Umweltvereins sind sich die meisten Bürger gar nicht bewusst, dass auch die Schweinfurter Müllverbrennung aufgrund des hohen Müllaufkommens seit mehreren Jahren trotz Steigerung der Verbrennungsmenge kontinuierlich an der Kapazitätsgrenze ist. Dies zeige sich auch dadurch, dass trotz der Bemühungen der Verantwortlichen, immer wieder Müll auf der Deponie Rothmühle zwischengelagert werden müsse.

Standort des Verbrennungsmüll-Zwischenlagers ist nicht geeignet
Beim jährlichen Besichtigungstermin auf der Deponie Rothmühle im Februar dieses Jahres war die Vorstandschaft enttäuscht wieder ein fast vollständig gefülltes Zwischenlager mit geschätzten 10.000 Tonnen zu sehen. Dass von einem Restmüll-Lager auf einer Deponieanhöhe Geruchsbelästigungen ausgehen können sei dabei jedem bewusst. Hinzu kommt laut Dr. Peter Möhringer die Situation, dass das dortige Zwischenlager in einem Kaltluftströmungsgebiet liegt, wodurch bei schlechter Wetterlage immer wieder Geruchsschwaden nach Bergrheinfeld zum Riedhof und nach Geldersheim sowie Bergl und Oberndorf ziehen und die dort lebende Bevölkerung belaste. „Aus unserer Sicht ist der Standort des Zwischenlagers auf der Deponie nicht geeignet, weshalb wir die Prüfung eines Alternativ-Standortes vom Landratsamt einfordern“, so Peter Möhringer.
Auch bei der städtischen Abfallpolitik sieht die Bürgeraktion noch Potential vor allem durch die Einführung einer Biotonne, um häusliche Bioabfälle getrennt zu sammeln und zu verwerten. Momentan werden diese in der Stadt, anders als im Landkreis Schweinfurt über die Restmülltonne verbrannt.

Die Bürgeraktion ist nach wie vor der Ansicht, dass die Stadt ihr bisheriges Konzept noch weiter optimieren kann, indem sie die momentan hochwertige Kompostierung von Grünabfällen um die Erfassung und sinnvolle Verwertung von Küchenabfällen aus den Privathaushalten erweitert. Statt Verbrennung über die Restmülltonne könnte zum Beispiel eine Vergärung mit anschließender Kompostierung eine wesentlich höhere Energieausbeute sowie zusätzliche Organik liefern. Die Stadt Schweinfurt plant in der ersten Jahreshälfte 2019 eine Restmüllanalyse vorzunehmen, um Klarheit zu bekommen, wie viel Biomüll sich in der Restmülltonne befindet. Dies begrüßt die Bürgeraktion ausdrücklich und wird deshalb in den nächsten Wochen die Gespräche mit den Verantwortlichen der Abfallwirtschaft der Stadt Schweinfurt wieder aufnehmen. Erste konstruktive Gespräche gab es dazu bereits 2018.

Der Bürger ist gefragt: Müllvermeidung und ordentliche Mülltrennung „Jeder Bürger sollte beim Thema Müll aber auch selbst Verantwortung übernehmen“, so Dr. Peter Möhringer. So gebe es zum Beispiel in der Biomülltonne des Landkreises immer noch zu viele Fehlwürfe mit Plastiktüten oder Restmüllteile, die nichts darin zu suchen haben. Die Mehrheit der Bürger, die ordentlich Trennen, sollten mehr belohnt und jene, die sich nicht an die Regeln halten, gemaßregelt werden.

„Generell müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen und alles dafür tun wieder weniger Müll zu produzieren“, so Johannes Neupärtl. Dies fange beim Einkaufen an. Oberstes erstes Ziel muss es sein, so wenig wie möglich Lebensmittelabfall und Verpackungsmüll überhaupt entstehen zu lassen. Man spüre, dass bereits viele Menschen anfangen, umzudenken. Positiv bewertet die Bürgeraktion auch die mittlerweile vielschichtigen Angebote und Initiativen in der Region. So bietet die Ökomodellregion Oberes Werntal immer wieder Veranstaltungen und Märkte mit Direktvermarktern aus dem Landkreis und hier steige erfreulicherweise das lokale Angebot. Hinzu kommen örtliche Stammtische und Gruppierungen, die sich mit Plastikmüllvermeidung beschäftigen, sowie Repair-Cafes, die ihre Dienste anbieten. Passend dazu hatte die Bürgeraktion Müll und Umwelt im Rahmen der Jahreshauptversammlung auch den neu gegründeten Verein SoLaWi Schweinfurt e.V. (Solidarische Landwirtschaft Schweinfurt & Umgebung) eingeladen. Deren Vorsitzender Erich Morgenstern verdeutlichte die Ziele der Organisation. Dazu gehören Naturschutz, faire Arbeitsbedingungen und Selbstversorgung der Mitglieder. Im letzten Jahr hat die Gruppierung in Bergrheinfeld passende Ackerflächen pachten können und sei gut vorangekommen, so dass seit Ende März bereits geerntet werden kann. „Das Angebot wird gut angenommen, wir könnten aber noch einige Mitglieder (Ernteteiler) aufnehmen, resümierte Erich Morgenstern.

Dezentrale Energiewende statt neue Stromtrassen
Solidarisch zeigt sich die Bürgeraktion Müll und Umwelt weiterhin mit der Bewegung „Bergrheinfelder sagt NEIN zu Südlink“ bezüglich der Forderung eine Dezentrale Energiewende zu forcieren, anstatt milliardenteure Stromtrassen zu bauen. Mit höchster Priorität müssen zunächst alle Möglichkeiten zur dezentralen, regionalen Energiegewinnung genutzt werden. Dazu zählen Blockheizkraftwerke, Windenergie, Solarstromgewinnung und Nutzung von moderner Speichertechnologie. Diese Potentiale sind gerade in Bayern bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Hinzu kommt, dass die neuen Stromtrassen offensichtlich nicht nur Windstrom, sondern auch größere Mengen Strom von Kohlekraftwerken aus dem Norden in den Süden transportieren, während hier gleichzeitig schnell regelbare Gaskraftwerke abgeschaltet bleiben. Dies sei kein geeigneter Beitrag um den Klimawandel zu stoppen.

Elektromobilität: Vor allem bei Kurzstrecken umweltfreundlich und wirtschaftlich

„Bei der Verkehrsmobilität wird die Zukunft elektrisch, aber in welchem Zeitraum dies wie schnell kommen wird, ist schwer absehbar“, so Prof. Dr. Bernhard Arndt vom Technologietransferzentrum Elektromobilität Bad Neustadt bei seinem Vortrag in Geldersheim. Die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. hatte am 29. November 2018 zu einem Informationsabend geladen und über 50 Zuhörer diskutierten und tauschten sich intensiv mit dem Professor aus.

Die Fortschritte in der Batterietechnik sind enorm und es passiert momentan sehr viel bei der Weiterentwicklung“
Prof. Dr. Bernhard Arndt

Die elektrische Antriebstechnik hat sich laut Dr. Arndt schon lange bewährt, so z. B. in der Bahn- oder Gabelstaplerindustrie. Auch in der Autobranche gebe es mittlerweile viele Hersteller und Fahrzeugtypen, die sich etabliert haben. Optimierungsfähig sind aber laut Dr. Arndt immer noch die Batterien – und an deren Weiterentwicklung forscht auch das Technologietransferzentrum in Bad Neustadt. Die Fortschritte in den letzten Jahren sind enorm „und es passiert momentan sehr viel“, so der Wissenschaftler. Als Beispiel nannte er unter anderem das „Aktive Balancing“. Bei diesem Verfahren wird die Energie von Zellen mit höherer Ladung auf Zellen mit niedrigerer Ladung übertragen. So erreiche man eine wesentlich höhere Lebensdauer und es sind bis zu 3000 Ladezyklen möglich. Weiterhin zeigten Versuche, dass durch geschicktes Be- und Entladen eine 1,5-fache bis doppelte Lebensdauer erreichbar ist. Auch die Preisentwicklung gehe seit drei bis vier Jahren kontinuierlich nach unten und dies werde in den nächsten Jahren auch so weitergehen, erläuterte Arndt.

250 Kilometer Fahrstrecke ohne Aufladung möglich
Noch immer habe der Verbrennungsmotor aber Vorteile bei der Reichweite, da Benzin oder Diesel sehr viel Energie pro Kilogramm bzw. Liter liefern. So müssten beispielsweise 2,1 Tonnen Batterien eingesetzt werden, um die Energie eines 50 Liter Tanks zu ersetzen. Aber auch hier gebe es bereits große Verbesserungen bei den E-Autos und bei wirtschaftlicher Fahrweise mit wenig zugeschalteten Verbrauchern seien vereinzelt schon über 250 km Fahrstrecke ohne Aufladung gut möglich.

„Elektroautos fahren leise und lokal abgasfrei“
Prof. Dr. Bernhard Arndt

Punktsieger ist das Elektro-Auto im Vergleich zum Verbrenner beim Wirkungsgrad. Dieser liege bei der Batterietechnik bei etwa 85 Prozent und bei Benzin- und Dieselmotoren lediglich bei 23 bzw. 33 Prozent. Diese Eigenschaft und der Vorteil, dass die E-Autos vor allem in Ballungsgebieten und Großstädten leise und lokal abgasfrei fahren wird dazu führen, dass sie vor allem für Kurzstrecken immer mehr eingesetzt werden, zeigt sich Dr. Arndt überzeugt. In China gebe es Städte, bei denen nur noch Elektro-Autos unbeschränkt zugelassen werden können.

Auf Kurzstrecken bewährt – Strom aus Erneuerbaren Energien
Mehrere Besucher meldeten sich zu Wort und berichteten von sehr positiven Erfahrungen vor allem im Kurzstreckenbereich mit Lademöglichkeiten zuhause. Hier sei das E-Auto heute schon wirtschaftlicher als ein Verbrenner und vor allem umweltfreundlicher, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Ein Besucher berichtete auch von neuen Fahrzeugen, die zukünftig an den Außenflächen Solarmodule integriert haben und somit bei Sonnenladung problemlos bis zu 250 km weit fahren können.
Dennoch gibt es noch einige Unzulänglichkeiten, von denen auch Besucher berichteten.

„Ich würde mir trotzdem wieder ein Elektro-Auto kaufen“
Josef Hart aus Geldersheim

Josef Hart aus Geldersheim schilderte mit einigen lustigen Geschichten, was er als E-Fahrer vor allem auf längeren Strecken schon erleben musste. Als Hindernis stellen sich laut ihm des Öfteren die unterschiedlichen und teilweise nicht funktionierenden Bezahlarten an den Ladestationen dar. Hier wünscht er sich, dass die Standard-Zahlkarten der meisten Bürger zukünftig auch für das Aufladen funktionieren. Manchmal sind es laut ihm aber auch einfache Dinge, wie das Fehlen einer vernünftigen Beschilderung zur Ladestation oder defekte Stationen, die den Adrenalinspiegel steigen lassen, wenn nicht klar ist, ob die Reichweite noch bis zur nächsten Lademöglichkeit reicht. Sein Fazit: „Ich würde mir trotzdem wieder ein Elektro-Auto kaufen“, denn in Summe bin ich zufrieden“.

Fehlende Standardisierung bei Ladesteckern
Die fehlende Standardisierung bei den Ladestationen und Ladesteckern sowie Kabel wunderte auch einen anderen Zuhörer. Mit dieser Frage wendete er sich auch an den Vortragenden. Professor Arndt sieht den Grund bei den E-Auto Herstellern: „Hier werden gute Lösungen nicht übernommen, weil jeder seine eigene Technik durchsetzen möchte“. Ob hier eine Standardisierung langfristig machbar sei und kommen wird, könne man heute noch nicht abschätzen. Eine Frage bezog sich auch auf die Ladezeit und Haltbarkeit von Batterien. Beide Themen sind abhängig von den Einsatzgebieten und Handhabung und könne nicht pauschal beantwortet werden. So hängt die Reduzierung der Akkuleistung beispielsweise stark davon ab, wie häufig eine Batterie be- und entladen wird oder ob es schädliche Tiefenentladungen gegeben hat. Auch sei ein Aufladen bis max. 90 Prozent lebenserhaltender als 100 Prozent Maximal-Aufladungen. Die Voll-Ladezeit sei bei Lichtstrom zehn bis zwölf Stunden, bei Drehstrom etwa zwei bis drei Stunden und mit Schnell-Ladestationen sogar in 45 bis 15 Minuten möglich.

Keine Gesamtbilanz für Umweltbelastung bei Batterieherstellung
Kritisch hinterfragt wurden die Umweltbelastungen und Arbeitsbedingungen in Afrika bei der Gewinnung von Rohstoffen für die Batterieherstellung sowie die Abhängigkeit bei den Rohmaterialien von wenigen Ländern. In diesem Zusammenhang kam auch die Frage auf, ob es umweltbelastende Gesamtbilanzen für die Elektro-Auto Herstellung und Nutzung gebe. Laut Professor Arndt liegt dies aber aufgrund der vielen komplexen Teilaspekte bisher nicht vor. Nach Meinung eines Anwesenden müsste man dann aber auch die Frage stellen, ob es denn im Gegenzug auch Bilanzen gebe, unter welchen Bedingungen Rohöl gefördert und transportiert werde und wie viel Umweltzerstörung es durch Unfälle oder defekte Pipelines dabei gibt. Auch hier scheint es keine Gesamtbilanzen zu geben und somit eine Gegenrechnung mehr als schwierig.

„Für Lithium-Ionen Batterien gibt es bereits heute schon gute Recyclingverfahren“
Prof. Dr. Arndt

Abschließend wurde noch von einem Zuhörer darauf verwiesen, dass es hinsichtlich der Verwertung und des Recyclings für E-Autos und Batterien noch keine klaren Vorgaben oder Gesetze gebe und deshalb von der Politik gefordert werden müsse, diese Lücke zu schließen. Professor Arndt berichtete, dass für die Lithium-Ionen Batterien bereits heute schon gute Recyclingverfahren zum Einsatz kommen, die funktionieren. Hier werde durch ein neues Batteriemanagement die Wiederverwendung ermöglicht und die Zellen blieben erhalten.
Die rege Diskussion und der intensive Austausch während der Veranstaltung zeigten, dass das Thema momentan auf großes Interesse stößt und sich immer mehr Menschen überlegen auf Elektro-Autos umzustellen.

Unsere Info-Tour 2018 – Ökologie und Soziales im Einklang

Die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. besucht jedes Jahr interessante umweltpolitische Projekte und Menschen in der Region, um Denkanstöße und Motivation für andere Bürger zu geben. Die diesjährige Info-Tour  führte im September nach Binsfeld und anschließend zum Biohof der Familie Römert in Egenhausen.

Modernes Dorfleben: Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien
„Wir sind mit der Frage gestartet, wie können wir unser Dorf für die Zukunft aufstellen?“, erläuterte der zweite Bürgermeister von Arnstein, Franz-Josef Sauer. „Wichtig war uns dabei in Binsfeld der Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Soziales“.

Projekt mit Erneuerbaren Energien: Zentrale Biomasse-Heizung für Holzhackschnitzel in Kombination mit Solarthermie eingebettet im Feuerwehrhaus. Das Besondere daran ist die Gesamtkonzeption mit einem selbst installierten Nahwärmenetz im alten Dorfkern. Daran angebunden sind sowohl Kirche, Mehrgenerationenhaus und Gasthaus sowie über 35 Häuser. Das Holz wächst in der Umgebung und beim Verbrennen wird nur so viel CO freigesetzt, wie beim Wachsen der Bäume aus der Luft gebunden wird.
Alle angebundenen Einrichtungen benötigen keine aufwändigen Technikräume mehr, sondern beherbergen nur noch kompakte Übergabestationen, wie zum Beispiel in der Kirche. Dort ist die gesamte Heiztechnik in einem kleinen Schrank untergebracht und in Verbindung mit einer Wandheizung spart die Kirchengemeinde auch noch jede Menge an Energie.
Auf dem Foto zu sehen sind die verlegten Rohre des Nahwärmenetzes.
Franz-Josef Sauer hat zusammen mit seinen vielen Mitstreitern noch viel mehr Aspekte in den letzten Jahrzehnten entdeckt: „Die größte Energiequelle sind wir Menschen selbst mit unserer Kreativität und Schaffenskraft“, zeigt er sich überzeugt. Um Erfolg zu haben muss man Strukturen aufbauen und Menschen mit positiver Energie zusammenbringen, verdeutlicht er das Erfolgsmodell von Binsfeld.
Diese Plakat hängt im Mehrgenerationenhaus von Binsfeld.

Demographischer Wandel als Chance: Ein Dorf als Großfamilie
Davon überzeugen konnten sich die Interessierten auch bei der nächsten Station des Rundganges im Mehrgenerationenhaus. Hier sahen sie die soziale Komponente der Dorfentwicklung von Binsfeld. Nach dem Motto „starke Leistung für jedes Alter“ sind in dem dort energetisch sanierten Gebäude nicht nur eine Kindertagestätte mit bis zu 65 Kindern untergebracht, sondern auch eine Küche mit Mittagessen-Angebot für Kinder und Senioren.
Die vielfältigen Räumlichkeiten geben aber auch den Rahmen für Veranstaltungen oder regelmäßige Treffen für Jugendliche, Familien sowie Senioren und insgesamt arbeiten mittlerweile bis zu 18 Personen in Teil- oder Vollzeit in der Einrichtung.


Der Garten im hinteren Bereich sowie ein darin integriertes selbstgebautes Backhaus tragen zusätzlich zu einer ganzheitlichen und naturnahen Erziehung bei.

Abschließender Vortrag im Sportheim.
„Unser Ziel ist es das Dorf als Großfamilie und als Schule des Lebens stets weiterzuentwickeln“, so Sauer. Passend dazu wird schon an den nächsten Projekten gearbeitet, dazu gehört die Umwidmung des Sportheims in ein Zentrum für Sport, Kultur und Begegnung und Überlegungen zur Mobilität über ein Elektro-Auto sowie Car-Sharing.

Information und Brotzeit auf einem Biohof zum Abschluss
Im zweiten Teil der Infofahrt ging es danach zum Flachshof nach Egenhausen. Dort stellte die Familie Römert ihren Bio-Demeterhof vor. „Wir waren davon überzeugt, dass man gute Erträge und vor allem Qualität auch ohne Chemie erzeugen kann und haben deshalb vor vielen Jahren unseren konventionell wirtschaftenden Betrieb umgestellt“, so Römert.

Die Umfunktionierung des Stalles durch Freilauf und vergrößerte Bewegungsflächen bieten den Tieren andere Bedingungen als in herkömmlichen Ställen. Auf den Äckern achtet die Familie Römert auf eine vielfältig wechselnde Fruchtfolge, die den Boden schonend lockert und zugleich düngt und somit ein naturnahes Wirtschaften ermöglicht.

In Kisten lagert der Biohof temperiert seine Kartoffel-Ernte.
Wie unterschiedlich die verschiedenen Kartoffeln des Biohofes schmecken, konnten die Teilnehmer der Infofahrt bei der anschließenden Brotzeit selbst testen und bewerten. Gut gestärkt konnten die Teilnehmer so ihre Heimfahrt mit vielen positiven Beispielen und Informationen angehen.

Einladung zur Info-Tour 2018: „Binsfeld, Ökologie und Soziales im Einklang“

Es ist wieder soweit! Am Samstag, den 15. September startet die Info-Tour 2018. Der Vorstand der Bürgeraktion Müll und Umwelt lädt alle interessierten Mitglieder, sowie Freundinnen und Freunde der Bürgeraktion herzlich ein zur Informationsfahrt unter dem Thema: „Binsfeld, Ökologie und Soziales im Einklang“.
Wir besuchen Binsfeld. Dieser Stadtteil von Arnstein ist in die Städtebauförderung „Soziale Stadt“ mit dem Thema „Demographischer Wandel als Aufgabe und Chance“ aufgenommen worden. Innerhalb dieser Maßnahme wurde unter anderem das Mehrgenerationenhaus (MGH) als Pilotprojekt für Main-Spessart errichtet.
Die „Dorf Service GmbH“, betreibt die Heizzentrale mit Biomasse und versorgt Privathäuser, öffentliche Einrichtungen wie Kirche, Mehrgenerationenhaus mit Kindergarten und die Gaststätte mit Heizenergie. Es heißt, Ökologie, Ökonomie und Soziales sind im Einklang. Bei einem Rundgang wird uns der zweite Bürgermeister von Arnstein Franz-Josef Sauer die Ideen und Ergebnisse erläutern.
Anschließend, damit auch das Soziale nicht zu kurz kommt, fahren wir zum Flachshof nach Egenhausen. Die Familie Römert hält eine Brotzeit für uns bereit und stellt nach der Stärkung ihren Demeterhof vor. Abschließend gibt es dort auch noch Kaffee und Kuchen. Gegen 16:00 Uhr geht´s zurück zu den Ausgangspunkten.
Unser Bus startet diesmal um 9:15 Uhr in Bergrheinfeld am D+D Getränkemarkt in der Hauptstraße. Danach geht es nach Geldersheim, wo an der Bushaltestelle (Marktplatz Ortsmitte) um 9:30 Uhr ebenfalls zugestiegen werden kann. Bei Interesse bitte Anfrage senden an: info@muellundumwelt.de.

30 Jahre Bürgeraktion „DAS BESSERE MÜLLKONZEPT in Bayern“ – Dachverbandstreffen in Schweinfurt

Im Jahr 1988 wurde die Bürgeraktion in Ingolstadt gegründet. Sie war von Anfang an gut in Bayern vernetzt. Es wurde ein erfolgreiches Voksbegehren gestartet und über 10 neue Müllverbrennungsanlage in Bayern verhindert.
Auf der Delegiertenversammlung im Juni 2018 in Schweinfurt wurde zurückgeblickt auf 30 Jahre Müllgeschichte in Bayern.

Foto: Gründungsmitglieder, Aktive und Vorstand in Schweinfurt (von links nach rechts): Benita Stolz, Dr. Peter Möhringer, Dr. Hartmut Hoffmann, Thomas Geißler, Oswald Schuh, Waltraud Galaske, Hannes Hüttinger, Josef Seemüller, Raimund Hulke, Georg Rüttiger, Josef Metzger

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Müllvermeidung sowie Wertstoffgewinnung und Dezentrale Energiewende bleiben im Fokus

Jahreshauptversammlung bei der Bürgeraktion Müll und Umwelt
Im Jahresrückblick erinnerte Walter Rachle zu Beginn an das verstorbene Mitglied Gregor Schömig. Er würdigte seinen unermüdlichen Einsatz für den Umwelt- und Naturschutz und seine aktive Unterstützung für die Bürgeraktion.

Wiederwahl des Vorstands
Bei den Neuwahlen wurde der bestehende Vorstand komplett wiedergewählt. 
Von links nach rechts: Schriftführer Georg Rüttiger, stellvertretender Vorstand Johannes Neupärtl, Beisitzer Thomas Geißler, Kassier Walter Rachle und erster Vorsitzender Prof. Dr. Peter Möhringer.

Neben den Neuwahlen gab es auch einen ausführlichen Rück- sowie Ausblick.  Müllvermeidung sowie Wertstoffgewinnung und Dezentrale Energiewende bleiben im Fokus weiterlesen

„Was versteht man unter Ökolandbau und wo bekommt man Bioprodukte aus der Region?“

Infovortrag über Ökomodellregion Oberes Werntal bei der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V.
Am Dienstag, den 17. April, fand bei der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Informationsvortrag “Öko-Modellregion Oberes Werntal – Chancen und Möglichkeiten für die Region“ statt. Die Projektmanagerin Ann-Kathrin Paar erklärte was man unter Ökolandbau versteht und woher die Bürger im Landkreis Schweinfurt Bioprodukte aus der Region bekommen. Ebenso informierte sie darüber, was in der Region im Öko-Landbau am Entstehen ist. Dem informativen Vortrag folgte eine ausführliche und rege Diskussion. Über das große Interesse haben wir uns gefreut und natürlich unterstützen wir als Umweltverein weiterhin die Aktivitäten der Ökomodellregion Oberes Werntal.
Den kompletten Vortrag von Projektmanagerin Ann-Kathrin Paar finden Sie hier. Weitere Informationen zur Ökomodellregion Oberes Werntal erhalten sie auf dieser Website.


Prof. Dr. Peter Möhringer, 1. Vorsitzender der Bürgeraktion überreicht Ann-Kathrin Paar als Dankeschön für den Vortrag ein kleines Geschenk.

Deponierundgang 2018 mit den Verantwortlichen der Abfallwirtschaft des Landkreises Schweinfurt


Die negativen Folgen unserer Konsumgesellschaft: Die Deponie Rothmühle und die Autobahn A 71 prägen mittlerweile die Flur zwischen Geldersheim und Bergrheinfeld – im Hintergrund der Riedhof und Schnackenwerth. Vor 30 Jahren sah der Betrachter dort noch ein naturnahes Werntal mit landwirtschaftlichen Flächen. Die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. trifft sich jährlich auf dem Gelände mit der Leitung der Abfallwirtschaft des Landkreises Schweinfurt, um sich auszutauschen und Planungen kritisch zu hinterfragen, so auch dieses Jahr Ende Februar 2018. Deponierundgang 2018 mit den Verantwortlichen der Abfallwirtschaft des Landkreises Schweinfurt weiterlesen

„Ernährungssouveränität in regionalen Wertschöpfungsräumen mit Regionalwert AG“

Regionalität in der Land- und Ernährungswirtschaft sind Trendthemen. Das kommt nicht von ungefähr, denn die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Lebensmitteln ist heute so komplex organisiert, dass man den Weg eines Produktes oft nicht mehr nachvollziehen kann. Das schafft Unsicherheit. Außerdem wird immer mehr deutlich, dass mit dem Sterben der landwirtschaftlichen Betriebe die Region mehr verliert als nur einen Produzenten von Nahrungsmitteln. Welches sind die sozialen und ökologischen Werte die ein landwirtschaftlicher Betrieb leistet und wie können regionale Kreisläufe neu organisiert werden? Initiative von Jimmy Weber und Gustav Tietze aus Sennfeld.  Weitere Informationen zur Regionalwert AG Freiburg finden sie im Internet hier.