Austauschgespräch der Bürgeraktion „Müll und Umwelt e.V.“ mit der Deponieleitung Rothmühle

Zu einem Rundgang am Abfallwirtschaftszentrum Rothmühle (AWZ) und einer Austauschrunde traf sich der Vorstand der Bürgeraktion „Müll und Umwelt e.V. Schweinfurt“ mit der dortigen Leitung. „Im Sinne aller angrenzenden Anlieger haben wir als Bürgeraktion ein wachsames Auge auf die Deponie mit den Baumaßnahmen sowie auf das AWZ in Summe. Wir informieren uns vor Ort und sprechen auch offen kritische Punkte, wie zum Beispiel kürzlich wieder aufgetretene Geruchsbelästigungen am Riedhof, an“, so Professor Dr. Peter Möhringer, erster Vorsitzender der Bürgeraktion. Schwerpunkt dieses Mal waren der Überblick über den Erweiterungsbau der Deponie und die konkreten Ausführungen dazu. Ebenso länger diskutiert wurden die Möglichkeiten zur Optimierung der Kreislaufwirtschaft im Landkreis. Hierbei leisten Wertstoffhöfe einen immer wichtigeren Beitrag.


Beim Deponierundgang erläuterte Stephan Orzol, stellvertretender Leiter des Abfallwirtschaftszentrums, die bereits sichtbare Um-Modellierung und den Anschluss der neuen Deponiefläche an den bereits vorhandenen Deponiekörper. Beim Erörterungstermin war ein großes Diskussions-Thema die Problematik der Erfassung und Verarbeitung des anfallenden Oberflächen- und Sickerwassers gewesen. „Dass dazu einige von uns angesprochenen Optimierungen mittlerweile in der Planung vorgenommen wurden, begrüßen wir als Bürgeraktion“, so der stellvertretende Vorsitzende Johannes Neupärtl. Die detaillierten Planungen zu den Speicher- und Sickerwassernotbecken inklusive der Abdichtung und Leitungsführung erläuterte Stephan Orzol ausführlich. Insgesamt seien bereits 10 von 36 Baumonaten erfolgt und mit einer ersten Teil-Freigabe der neuen Deponie rechnet der Landkreis ab Oktober 2026.
Thomas Geißler, Mitglied im Vorstand der Bürgeraktion, fragte nach dem aktuellen und zukünftigen Stand der unter Vertrag stehenden Kommunen für die Anlieferung und die daraus resultierende Anliefermenge pro Jahr. Laut Heiko Glöckler besteht derzeit eine Zusammenarbeit mit drei weiteren Kommunen im Bereich der Deponierung von Abfällen. Zukünftig wird mit einer leichten Mengensteigerung auf bis zu 30.000 Tonnen pro Jahr gerechnet. Ein Anschluss von weiteren Kommunen wird derzeit nicht favorisiert ist aber zukünftig nicht ausgeschlossen. Laut Heiko Glöckler werden aber nur regionale interkommunale Vereinbarungen geschlossen. Eine überregionale Akquise von Abfällen wird nicht angestrebt. Die Nutzungsdauer der erweiterten Deponie wird derzeit auf etwa 75 Jahre geschätzt.

Heiko Glöckler erläuterte ebenso die momentan parallellaufenden Optimierungen bei der Deponiegaserfassung der bestehenden Deponie. Durch die Investition in neue Gasbrunnen, der Ertüchtigung von Deponiegasleitungen sowie der Neuerrichtung der Aktiventgasungen wird die Deponiegas-Ausbeute laut ihm beträchtlich gesteigert. Im Bereich Biogas geht das AWZ auch ab dem Jahr 2028 weiter einen neuen ökologischen Weg und bereitet das durch die Vergärungsanlagen entstehende Biogas zu Erdgasqualität auf und speist dieses in die am AWZ verlaufende Ferngasleitung ein.
Wie kann die Kreislaufwirtschaft im Landkreis weiter optimiert werden?
„Der beste Abfall ist der, der erst gar nicht anfällt, entweder durch Vermeidung oder durch Rückführung der Stoffe in Kreisläufe“, so Johannes Neupärtl. Weshalb die Bürgeraktion wissen wollte, was hierzu seitens des Landkreises noch an Potential gesehen wird. Laut Heiko Glöckler spielt dabei der vorhandene Wertstoffhof am Abfallwirtschaftszentrum sowie die zukünftig noch geplanten Annahmestellen in Üchtelhausen, Schonungen und Gerolzhofen eine wichtige Rolle. Je kürzer die Wege für die Bürgerinnen und Bürger, umso geringer sei die Hemmschwelle Stoffe zu sammeln und am Wertstoffhoff abzugeben. „Es gibt hier noch genug weiteres Potential, das wir erfassen wollen“, so Glöckler. Die angelieferten und zum Recycling weitergegebenen Mengen haben sich laut ihm in den letzten zehn Jahren am Wertstoffhof an der Rothmühle verdoppelt, was sehr erfreulich sei. Hier erweitert der Landkreis laut Heiko Glöckler auch kontinuierlich das Angebot, so könne mittlerweile zum Beispiel auch Frittier- und Speiseöl abgegeben werden. Ebenso wird Fallobst getrennt angenommen, um eine noch bessere Verwertung vornehmen zu können.

Biomüllsortierung und Verwertung am Abfallwirtschaftszentrum
Einen Austausch gab es auch zur Biomüllerfassung und Verarbeitung im Landkreis. „Wir können durch die neue Biomüll-Sortieranlage am Abfallwirtschaftszentrum Rothmühle die gesetzlichen Vorgaben beim Reinheitsgrad einhalten“, so Heiko Glöckler. Ob noch weitere Optimierungen durch Stichproben-Prüfung bei der Biotonnen-Abholung an den Häusern möglich wären, wollte Prof. Dr. Peter Möhringer, Vorsitzender der Bürgeraktion, wissen. Hier gibt es aktuell noch keine geplanten konkreten Maßnahmen laut Heiko Glöckler, man lasse sich diese Option aber auf jeden Fall offen, die in den vergangenen Jahren bereits durchgeführte Stichproben-Kontrolle wieder zu aktivieren.



























Als Gastvortrag bei der Jahreshauptversammlung der „Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V.“ stellte sich der Unverpackt-Laden „Weltkind“ aus Werneck vor. Von links nach rechts: Werner Kömm und Beate Rumpel (Weltkind), Dr. Peter Möhringer, Thomas Geißler, Georg Rüttiger und Johannes Neupärtl (Vorstand „Müll und Umwelt“ auf dem Foto fehlt Kassier Walter Rachle).


