Auf der diesjährigen Informationstour der Bürgeraktion „Müll und Umwelt e.V.“ besuchte der Verein unter anderem auch eine Agri-PV Anlage in Egenhausen. Auf dem Flachshof ist Andreas Römert mit seiner Familie selbst der Betreiber der neuen Anlage, die bald an das Netz gehen wird. „Unsere Motivation ist auch der Gedanke an die Zukunft, denn wir glauben, dass auch die landwirtschaftlichen Maschinen zukünftig mehr und mehr elektrisch betrieben werden. Mit dieser Anlage können wir dann den selbsterzeugten Strom dafür nutzen“, so die mittel- bis langfristige Vision von Andreas Römert. Und noch ein Gedanke treibt ihn um: Sollte die Gigafabrik im Landkreis Schweinfurt kommen wird auch dafür sehr viel erneuerbare Energie aus der Region benötigt werden.

Vor der zukünftigen Eigennutzung wird der Strom jetzt aber zunächst an der Börse selbst direkt vermarktet. 6,5 Cent pro Kilowattstunde sind gesetzlich garantiert, aber das auch nur für ein paar Jahre und bei Stromüberfluss kann die Anlage auch vom Netzbetreiber abgeschaltet werden. An der Strombörse sind je nach Bedarf auch höhere Beträge zu erzielen. Für diese Direktvermarktung sucht er noch einen Dienstleister, der dies für ihn übernehmen wird. Wenn alles gut läuft, könnte sich die Anlage innerhalb von 10 bis 15 Jahren amortisieren. Eine weitere Besonderheit ist es, dass die Module Strom sowohl von unten als auch von oben erzeugen. Auf circa 1,8 Hektar ist am Flachshof eine Agri-PV Anlage entstanden mit einer Leistung von einem Megawatt. Das Besondere daran ist, dass etwa 90 Prozent der Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden kann. „Wir können alle Fruchtsorten bis auf Mais auf der Fläche anbauen, was für uns sehr wichtig ist“, so Römert. Die Abstände zwischen den Modulreihen hat der Demeterbetrieb bewusst auf die Breite seiner landwirtschaftlichen Maschinen ausgelegt, sie betragen 13,5 Meter. Für Arbeiten in der Nähe der Module, können diese bei Bedarf auch in verschiedene Richtungen über einen Mechanismus so verstellt werden, dass die Bearbeitung des Bodens problemlos möglich ist. Durch die variable Verstellung der Ausrichtung auch nach West und Ost produzieren die Module vor allem auch dann Strom, wenn dieser morgens oder abends im Stromnetz benötigt wird.

Agri-PV Anlagen dieser Größe und Lage gelten als privilegierte Projekte, wodurch die Planung und Genehmigungsdauer dazu in einem vernünftigen Zeitfenster in wenigen Monaten erfolgen kann. Beratende Unterstützung erhielt Römert auch über den Bayerischen Bauernverband und dem ausführenden Unternehmen, das seinen Firmensitz in Süddeutschland hat.



Am Ende der Erläuterungen blieb auch noch Zeit sich über die Besonderheiten eines Demeter-Betriebes zu unterhalten. Eine schonende Bodenbearbeitung und regelmäßige Fruchtfolgenwechsel ist dem Biolandwirt Römert besonders wichtig. Momentan hat er Klee auf der Agri-PV Fläche angebaut. Laut Römert ist Klee nicht nur eine gute Futterpflanze, sondern durch die Fähigkeit an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft zu binden, auch ideal für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit.
Die 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Infotour waren beeindruckt zum einen eine derartige Anlage vor Ort persönlich zu sehen, vor allem aber auch über die vielen Detail-Informationen durch Andreas Römert. „Für uns als Umweltverein ist es wichtig im Rahmen einer Infofahrt aufzuzeigen, was alles möglich ist, um die Energiewende in der Region, aber auch Wertschöpfung vor Ort in der Praxis umzusetzen“, so Johannes Neupärtl, stellvertretender Vorsitzender der Bürgeraktion „Müll und Umwelt“.


