Biomasse-Nutzung in Schweinfurt – Konzepte von anderen Städten als Ideen?

Die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. fordert schon seit mehreren Jahren die Einführung einer Biomülltonne in der Stadt Schweinfurt. Momentan wird Biomüll aus den Haushalten maßgeblich über die Restmülltonne entsorgt und landet somit in der Müllverbrennungsanlage im Gemeinschaftskraftwerk GKS in Schweinfurt. Die laufende hochwertige Komposterzeugung der Stadt für Gartenabfälle ist positiv zu sehen und könnte sicherlich dazu parallel weiterverfolgt werden. Im Vortragsteil der diesjährigen Jahreshauptversammlung lud die Bürgeraktion deshalb Gunter Häckner zu seinem Impulsvortrag „Möglichkeiten der Biomasseverwertung in Schweinfurt“ ein.

„CO2 Emissionen runter und CO2  wieder aus der Atmosphäre holen und langfristig speichern – beides geht mit innovativer Biomassenverwertung“, so Gunter Häckner

Gunter Häckner erläuterte anhand mehrerer Beispiele aus anderen Städten welche alternativen Möglichkeiten es noch gibt, was auch eine klimapolitische Notwendigkeit darstelle. Sein Fazit: „CO2 Emissionen runter und CO2  wieder aus der Atmosphäre holen und langfristig speichern – beides geht mit innovativer Biomassenverwertung“, so Gunter Häckner. Als Biomasse definiert er Waldrestholz, Grüngut, Biomüll aus den Haushalten, sowie Klärschlamm. Laut Häckner entstehe beispielsweise in Dietikon im Kanton Zürich eine Power-to-Gas-Anlage mit mikrobiologischer Methanisierung aus Biomüll. Sie wird auf Basis einer Elektrolyse-Leistung von 2,5 Megawatt ab Ende 2021 synthetisches Methan in das Netz einspeisen. Bei dem Projekt wird die  Müllverbrennungsanlage den regenerativen Strom liefern und zusätzlich wird das im Klärgas vorhandene CO2 aus der benachbarten Abwasserreinigung verwertet werden. Aus Abfall und Abwasser werden die Schweizer so erneuerbares Methan produzieren und in das Gasnetz einspeisen.

Ein weiteres städtisches Beispiel fände sich in Österreich. Dort wurde 2019 eine neue Anlage für Trockenfermentation als modulare Biomüllvergärung eröffnet. Bis zu 7.500 Tonnen organische Reststoffe aus der kommunalen Biotonne werden zukünftig pro Jahr in Wiener Neustadt klimaschonend verwertet.

Als einen weiteren Lösungsweg zeigte Häckner das Beispiel einer Pyrolyseanlage für Wärme und Pflanzenkohle. Die gewonnene Pflanzenkohle sei dabei nicht nur ein langfristiger Kohlenstoffspeicher, sondern auch ideal nutzbar zum Humusaufbau und für die Bodenverbesserung. In Stockholm gebe es hierzu das erfolgreich verlaufende Projekt „Strukturboden mit Pflanzenkohle für Stadtbäume. Hier sieht Häckner auch im Hinblick auf die Planungen für die Landesgartenschau in Schweinfurt ein gutes Potential, innovative neue Techniken auszuprobieren und in das Konzept für die Landesgartenschau mit einzubinden.

Jahreshauptversammlung 2020 – Potential Biomasse in Schweinfurt

Mit Abstand, Masken und einem Hygiene-Konzept veranstaltete die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. am 29. September 2020 im großen Saal der Disharmonie ihre diesjährige Jahreshauptversammlung. Im ersten Teil des Abends ging erster Vorsitzender Prof. Dr. Peter Möhringer auf die Hauptthemen und Veranstaltungen der letzten Monate ein. Trotz der Corona-Einschränkungen seit März gab es laut Möhringer mehrere Gründe aktiv zu bleiben, um auf umweltpolitische Fehlentscheidungen aus Sicht des Vereins aufmerksam zu machen. So rief zum Beispiel die Bürgerinitiative Bergrheinfeld am 24. Mai zu einer Kundgebung gegen das Planungssicherstellungsgesetz auf. Das Gesetz besagt, dass es zunächst bis März 2021 und dann optional evtl. verlängert bis 2025 keine Öffentlichkeitsbeteiligung wie bisher bei Erörterungsterminen gibt. Das Gesetz hat wesentliche Auswirkungen auf das Verfahren SuedLink aber auch auf viele zukünftige andere Projekte im Umweltrecht. Die Bürgeraktion ist deshalb der Meinung, dass mit diesem Gesetz die Rechte der Bürger eingeschränkt werden, weshalb sich der Verein dem Protest anschloss. Eine weitere Protest-Demo unterstützte die Bürgeraktion im Juli, als das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB) aufrief, um gegen die Deponierung von freigemessenem Müll aus dem AKW Grafenrheinfeld auf der Deponie Rothmühle zu demonstrieren. Eine Forderung hierzu der Bürgeraktion: Lernen von anderen Standorten. Aufgrund des Wiederstandes bei Deponiestandorten in Schleswig-Holstein hat das schleswig-holsteinische Umweltministerium dort den TÜV Nord beauftragt, die Gegebenheiten bei den Hausmülldeponien auf Eignung zu prüfen. Dazu gab es Ergebnisse, aus denen auch Rückschlüsse für die Deponie Rothmühle gezogen werden sollten.

Biomüll zu Schade zum Verbrennen
Mit Blick auf die kommenden Monate und nächsten Jahre gibt es noch ein Schwerpunkt-Thema, das dem Umweltverein auf dem Herzen liegt. Wie können der Biomüll-Kompost und die Verwertung der Stadt und des Landkreises Schweinfurt weiter verbessert werden und welche Konzepte von anderen Kommunen könnten hier Ansätze liefern? In der Stadt Schweinfurt sieht die Bürgeraktion noch Handlungsbedarf, da die Verbrennung eines Großteils wegen fehlender Biomülltonne die schlechteste Variante darstelle.

Peter Möhringer erläuterte, dass aus einem Sammel-LKW mit 14 Tonnen Biomüll, Kompost als Dünger für die jährliche Lebensmittelproduktion von acht Personen erzeugt oder 3000 Liter Heizöl eingespart werden könnten.

Anders als bei der Verbrennung, wie momentan im GKS Schweinfurt, könne man mit anderen Verfahren mehr Energieausbeute und zusätzlichen Kompost erzeugen.

Passend zu dem Thema referierte im zweiten Teil des Abends Gunter Häckner mit seinem Vortrag „Möglichkeiten der Biomasseverwertung in Schweinfurt“. In der anschließenden Diskussion ergänzte Udo Rumpel, Biobauer und selbst Betreiber eines Kompostplatzes, seine Erkenntnisse aus der Praxis.

Ganz wichtig, so Rumpel, sei bereits bei der Anlieferung und Entgegennahme, also vor der Kompostierung, die Fremdstoffe herauszubekommen.

Hier gibt es laut ihm sowohl in der Stadt als auch im Landkreis, noch viel Potential dies zu verbessern. Peter Möhringer ergänzte hierzu: „Es gibt Städte in Bayern, die nehmen Wohnblöcke mit schlechter Sortierqualität aus der Biotonnen-Sammlung heraus“. So ein hybrider Ansatz könne laut Möhringer auch in Schweinfurt bei der Prüfung zur Einführung der Biotonne gewählt werden, um die Problematik Störstoffe im häuslichen Biomüll in den Griff zu bekommen.

Stellungnahme zu AKW-Bauschutt auf der Deponie Rothmühle

Keine zusätzliche Belastung für die Anwohner – Maximale Transparenz und Einbindung der Bürger durch Betreiber erforderlich

Die Aufnahme von Müll aus dem AKW-Rückbau lehnt die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. ab. Die Anwohner und Landkreisbürger sind bereits genügend Belastungen ausgesetzt, jedes zusätzliche Risiko und jede weitere Menge an Abfall auf der Deponie aus dem AKW muss vermieden werden. Gerade die Bürger der Anlieger-Gemeinden Bergrheinfeld, Geldersheim, Oberndorf sowie Bergl haben bereits genug Belastungen und Einschränkungen durch Deponie, Müllverbrennungsanlage GKS, Atomares Zwischenlager am AKW, Autobahn A70 sowie A71, Umspannwerk und neuerdings Stromtrassen hinnehmen müssen.

Auf Ankündigungen und Versprechungen nicht verlassen
„Die Vergangenheit hat sowohl beim Thema Abfall als auch bei anderen Projekten gezeigt, dass man sich auf Versprechungen  nicht immer verlassen kann. Oftmals kommt es dann doch anders als angekündigt. Ein aktuelles Beispiel ist das Thema Stromtrassen P43 bei dem sich auch der Landrat vom Betreiber im Nachhinein zu Recht getäuscht sieht. Ähnliches kann auch hinsichtlich Menge und Art des Mülls aus dem AKW dem Landkreis Schweinfurt bei der Deponie Rothmühle durch den Betreiber Preussen Elektra drohen“, mahnt Dr. Peter Möhringer, Vorsitzender der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. „Reicht man zu Beginn den kleinen Finger, so wird oftmals im Nachhinein die ganze Hand genommen“, so Möhringer.
„Wer stellt sicher, dass es bei den 1850 Tonnen bleibt? Oder wird es in einigen Jahren dann doch noch weitere Mengen geben, die der Betreiber Preussen Elektra dem Landkreis aufbürdet und er muss diese dann wegen der Entsorgungspflicht ebenso hinnehmen?“, fragt Johannes Neupärtl, stellv. Vorsitzender der Bürgeraktion. Ebenso nicht zu unterschätzen: In Zeiten in denen durch die positiv zu sehende Innerorts-Entwicklung ein erhöhtes Bauschuttaufkommen auf die Kommunen zukommt, muss darauf geachtet werden, dass die vorhandenen Deponieflächen zunächst für die Landkreis-Bürger gesichert werden und nicht für den Rückbau einer Anlage, die die Mehrzahl der Bürger sowieso nicht wollte. Die Lagerung von hoch- und mittelradioaktivem Material in Zwischenlagern auf dem AKW-Gelände ist bereits jetzt eine Zumutung für die Bürger.

Maximale Transparenz notwendig
Das Thema AKW-Rückbau ist ein sehr komplexes und kritisches Thema für die Bewohner im Landkreis. Gerade deshalb ist eine maximale Transparenz und Einbindung sehr wichtig, um Fakten besser kennen und einschätzen zu können sowie Bedenken zu äußern und Verbesserungen einzufordern zu können. Dabei ist die öffentliche Behandlung im Umweltausschuss ein wichtiger, erster Schritt, reicht aber für die Einbindung der Anlieger-Gemeinden und örtlichen Umweltverbände bei Weitem aus Sicht der Bürgeraktion Müll und Umwelt nicht aus. „Wir fordern vom Betreiber Preussen Elektra die Einführung eines runden Tisches, bei dem regelmäßig und detailliert über die anstehenden Teilschritte und Maßnahmen informiert wird. Dabei müssen die Bedenken und Fragen der Teilnehmenden ernst genommen und beantwortet werden“, so Dr. Peter Möhringer, Vorsitzender der Bürgeraktion. Projekte in der Vergangenheit haben gezeigt, dass durch die Forderungen der Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen oft erhebliche Verbesserungen für die Bevölkerung erreicht wurden.

Viele Punkte nicht klar für die Umweltverbände
Für die jetzt angekündigten 1.850 Tonnen Müll aus dem AKW sind für die Bürgeraktion nach wie vor viele Fragen offen. Wie genau sieht das Verfahren des Freimessens aus? Wie stark ist der Kontrollbereich aus dem der Müll kommt radioaktiven Belastungen ausgesetzt? Wie soll der Müll auf der Deponie eingelagert werden, gibt es dazu gesonderte Einlagerungsbereiche und -verfahren? Ab wann und in welchem Zeitraum? Wird das angelieferte Material in einem Altlastenkataster bilanziert sowie registriert, um eine spätere Nachvollziehbarkeit der Verbringung ermöglichen zu können? Ist dieses Kataster auch für die Öffentlichkeit zugänglich? Sollten nicht beim „Messen“ von Abbaumaterial auch externe Sachverständige jederzeit stichprobenartig kontrollieren und gegenprüfen? Die letzten beiden Fragen beziehen sich auch auf Forderungen, die die Bürgeraktion Müll und Umwelt bereits 2016 in ihrem Positionspapier zum Rückbau des AKW eingefordert hatte.

Lernen von anderen Standorten
Eine weitere Forderung der Bürgeraktion: Lernen von anderen Standorten. Aufgrund des Wiederstandes bei Deponiestandorten in Schleswig Holstein hat des schleswig-holsteinische Umweltministerium dort den TÜV Nord beauftragt, die Gegebenheiten bei den Deponien auf Eignung zu prüfen. Dazu gab es Ergebnisse, aus denen evtl. auch Rückschlüsse für die Deponie Rothmühle gezogen werden können. Liegt dieses Gutachten dem Landkreis vor? Falls nicht, sollten hier noch weitere Informationen eingeholt werden.

Fazit
Die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. Schweinfurt wünscht sich einen sachlichen, aber auch kritischen Austausch zu dem Thema. Dabei ist vor allem der Betreiber Preussen Elektra gefordert die Bürger und örtlichen Umweltvereine kontinuierlich und detailliert einzubinden. Zeitungsberichte und Pressemeldungen in unregelmäßigen Abständen reichen dabei nicht aus. Auch das Landratsamt und der Landrat sollten den Betreiber hier mehr in die Pflicht nehmen, schließlich ist die Altlast kein Verschulden des Landkreises, sondern eine Bürde die auf ihm und allen Bürgern lastet. Die Versprechungen nach maximaler Transparenz und Sicherheit vor Wirtschaftlichkeit müssen konkretisiert und vor allem „gelebt“ werden.

Protest gegen Planungssicherstellungsgesetz

Bürgerbeteiligung ist bei zukünftigen Verfahren extrem eingeschränkt

Die Bürgerinitiative Bergrheinfeld rief am 24. Mai zu einer Protest-Demo gegen das neue Planungssicherstellungsgesetz und für eine dezentrale Energiewende ohne überdimensionierten Netzausbau am neuen Umspannwerk Bergrheinfeld West auf. Mit einem Teil unseres Vorstands der Bürgeraktion Müll und Umwelt haben wir daran teilgenommen, denn auch wir erachten das neue Gesetz als eine starke Einschränkung der Bürgerbeteiligung.

Worum geht es?
Im Mai wurde im Schnellverfahren das Planungssicherstellungsgesetz durch den Bundestag und Bundesrat gewunken. Dies hat wesentliche Auswirkungen auf das Verfahren SuedLink aber auch auf viele zukünftige andere Projekte mit Umwelteinflüssen. Um es vereinfacht und kurz zu beschreiben: Das Gesetz besagt, dass es zunächst bis März 2021 und dann optional evtl. verlängert wegen der Corona Pandemie keine Öffentlichkeitsbeteiligung wie bisher bei Erörterungsterminen oder Antragskonferenzen geben wird, stattdessen nur eingeschränkt online.

„Mit diesem Gesetz werden die Rechte der Bürger versuchsweise gekippt. Betroffen sind fast alle Teile des Umweltrechts. Das ist mehr als bedenklich, zumal niemand weiß, ob und wie lange das Gesetz nach dem März 2021 verlängert wird“, resümierte Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Baumann.

Als Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. haben wir in der Vergangenheit bei vielen Planfestellungsverfahren und Erörterungsterminen zusammen mit anderen Umweltvereinen teilgenommen, um Forderungen für Umweltbelange einzubringen oder zumindest Verbesserungen zu erreichen, so z. B. beim Bau der Kreismülldeponie Rothmühle, Autobahnbau A 71 oder Bau Atomares Zwischenlager in Grafenrheinfeld. Dabei haben wir erlebt, wie wichtig es ist bei diesen meist mehrtägigen Erörterungsterminen persönlich vor Ort zu sein, um bei den sehr komplexen Themen unsere Meinung zu äußern, aber auch um die Aussagen der Planungsbehörden live direkt zu erleben. Bei den ganztägigen, über viele Stunden andauernden Diskussionen konnten wir die Pausen auch nutzen, um mit den anderen Beteiligten oder neutralen Gutachtern kurzfristig vor Ort Abstimmungen vorzunehmen und auf Aussagen der Behörden reagieren zu können. Warum soll es nicht möglich sein Erörterungstermine mit Abstandsregeln und weiteren Sicherheitsvorkehrungen durchzuführen? Oder wurde hier die Möglichkeit genutzt, um im Zeichen der Corona Pandemie lästige Verfahren abzuschaffen?

„Aus unserer Sicht werden mit dem Gesetz die Bürgerrechte bei Planungsverfahren vehement eingeschränkt“, so Dr. Peter Möhringer, Vorstand der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V.

Die Protestaktion fand am neuen Umspannwerk am Richtberg in Bergrheinfeld statt.

Protesttafel der Bürgerinitiative Bergrheinfeld.

 

Handlungsfelder der Bürgeraktion „Müll und Umwelt“ 2020

In Zeiten von Klimawandel, Dürre und viel zu hohem Rohstoff- und Materialverbrauch sowie zu großen Müllmengen ist es wichtiger denn je, dass wir auch in der Region Schweinfurt uns nachhaltig für den Natur- und Umweltschutz engagieren.
Nachfolgend unsere Themen und Handlungsfelder 2020:

Regionale Kreislaufwirtschaft / Abfallwirtschaft

Rückbau AKW Grafenrheinfeld / Ausstieg aus der Atomindustrie
Sicherheit und Umweltschutz vor Wirtschaftlichkeit beim Rückbau des AKW Grafenrheinfeld, sowie maximale Transparenz für die Öffentlichkeit in der Region. Kritische Begleitung der Prozesse hinsichtlich Freimessung sowie Lagerung des Rückbaumaterials. Ausstieg aus der Atomindustrie weiterhin einfordern, enge Zusammenarbeit mit den Anti-Atom-Initiativen.

GKS-Müll-Zwischenlager auf der Deponie Rothmühle sowie Deponieerweiterung:
Was genau wird geplant, wie wird Umwelt- und Naturschutz dabei beachtet? Gespräche mit den Verantwortlichen, kritische Begleitung der Prozesse. Siehe auch Info zu unserem Austauschtermin mit den Verantwortlichen der Abfallwirtschaft im Landkreis Schweinfurt im Februar 2020.

Müllvermeidung und -reduzierung / Kreislaufwirtschaft:
Was können wir lokal, regional tun, um hier einen wertvollen Beitrag zu leisten? Gespräche und Abstimmung mit der Abfallwirtschaft Stadt und Landkreis Schweinfurt sowie mit dem Dachverband „Das Bessere Müllkonzept“, Impulse zu Optimierungen geben, Informationen sammeln und bekannt machen.

Flächendeckende Erfassung des organischen Mülls über Biomülltonne in der Stadt Schweinfurt statt Verbrennung über Restmülltonne, siehe auch Beitrag zu „Verbrennung Biomüll in Stadt Schweinfurt“.

Dezentrale Energiewende in der Region / Ausbau der Erneuerbaren Energien

Informationen sowie Unterstützung zu regionalen Aktivitäten in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Organisationen, siehe auch Kurz-Info zu unserem Infoabend „Die Energiewende auf dem Bierdeckel Nov. 2019“

Regionale Wertschöpfung in der Region

Die Wertschöpfung in der Region fördern: Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Stärkung von Kooperationen im Landkreis. Informationen sowie Unterstützung zu regionalen Aktivitäten in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Organisationen, siehe auch Beitrag zu unserer Info-Tour letztes Jahr „Vom Stromspeicher zum Getreidespeicher“.

Weiterhin unterstützenswert: Nationalpark Steigerwald

Austausch über Optimierungen am Abfallwirtschaftszentrum Rothmühle

Jedes Jahr besucht der Vorstand der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. die Verantwortlichen der Abfallwirtschaft im Landkreis Schweinfurt um sich über Veränderungen, Neuplanungen sowie Zukunftstrends in der Müllwirtschaft und an der Deponie Rothmühle zu informieren – mit dabei auch Ulrich Werner, Bürgermeister der Anrainer-Gemeinde Bergrheinfeld. „Uns geht es um einen regelmäßigen offenen Austausch, bei dem wir aber auch sachlich kritisch Punkte ansprechen, die aus Vereins- und Bürgersicht optimiert werden sollten“, so Dr. Peter Möhringer, erster Vorsitzender des Umweltvereins. In diesem Jahr standen die Planungen zur Optimierung der Biomüllvergärungsanlage sowie Verbesserungen bei der Kompostierung im Mittelpunkt. Ebenso ein Thema die geplante Erschließung eines neuen Verfüllabschnittes auf dem Deponiegelände.


(v.links nach rechts): Thomas Geissler (Vorstandsmitglied Müll und Umwelt), Ulrich Werner (Bürgermeister Bergrheinfeld), Dr. Peter Möhringer (Vorsitzender Müll und Umwelt), Georg Rüttiger (Vorstandsmitglied Müll und Umwelt), Thomas Fackelmann (Leiter Abfallwirtschaft Landratsamt Schweinfurt), Heiko Glöckler (Leiter Deponie Rothmühle), Johannes Neupärtl (Stellv. Vorsitzender Müll und Umwelt)

Störstoffe im Biomüll reduzieren
Kompostqualität weiter optimieren
Wie kann der Biomüll-Kompost des Landkreises Schweinfurt weiter verbessert werden und welche Konzepte von anderen Kommunen könnten hier Ansätze liefern? Mit dieser Fragestellung begann die Bürgeraktion den Austausch mit Thomas Fackelmann, Leiter Abfallwirtschaft im Landratsamt Schweinfurt sowie Heiko Glöckler, Leiter der Deponie Rothmühle. Ob Detektoren an Biomüllfahrzeugen, wie in den Landkreisen Main-Tauber-Kreis sowie Augsburger Land nicht auch für den Landkreis Schweinfurt helfen könnten Störstoffe bereits vor der Entleerung zu erkennen, wollte die Bürgeraktion wissen. Diese Technik sei in Verbindung mit der Müllverwiegung an den hiesigen Fahrzeugen nicht möglich, so Fackelmann. Darüber hinaus könnten damit meist auch nur Metalle, aber kein Plastik entdeckt werden. Man setze deshalb vielmehr auf Aufklärung und Stichprobenkontrollen sowie eine neue Siebhalle vor der Vergärungsanlage. „95 Prozent der Bürger werfen den Biomüll ordnungsgemäß in die braune Tonne, leider bereiten aber die restlichen 5 Prozent Fehlwürfe Probleme“, resümierte Fackelmann. Noch immer verwenden einige Haushalte Plastiktüten oder biologisch abbaubare Plastikfolien. Beides sei nicht geeignet, stattdessen sollte Papier Verwendung finden. Georg Rüttiger, Vorstandsmitglieder der Bürgeraktion, brachte den Vorschlag nicht nur Ermahnung, sondern auch eine Belohnung für Haushalte mit ordentlich gefüllten Biotonnen einzuführen. Er appellierte an den Landkreis hier einen Versuch zu starten.

Eine weitere Anfrage des Umweltvereins war, ob die Zumischung von Pflanzenkohle während der Kompostierung nicht helfen könne Geruchsbelästigungen und Ausgasungen zu reduzieren sowie die Qualität des Komposts weiter zu verbessern. Im Neckar-Odenwald-Kreis gibt es laut der Bürgeraktion das Biomassezentrum auf Sansenhecken in Buchen, dort beschäftigt sich das Abfallwirtschaftszentrum mit der weiteren Veredelung von Grüngut und Bioabfall, um hochwertige Produkte wie Pflanzenkohle, Nährhumus oder sogar die Schwarzerde „Terra Preta“ herzustellen. Ein Projekt, das aus Sicht des Umweltvereins aufgrund der regionalen Wertschöpfungsidee näher betrachtet und informativ verfolgt werden sollte. Laut Fackelmann setzt der Landkreis Schweinfurt momentan andere Prioritäten vor allem beschäftige man sich mit den Planungen einer Siebhalle für den angelieferten Biomüll, um vor der Vergärung noch besser als bisher Störstoffe herauszubringen. Ebenso haben die Verantwortlichen einige Prozessoptimierungen vorgenommen, die zu einem besseren organischen Abbau vor der Kompostierung führen. Die im Detail von Heiko Glöckler, Leiter der Deponie, erläuterten geplanten anlagentechnischen Erweiterungen und Verbesserungen der Biomüllvergärungsanlage befürwortet die Bürgeraktion.

GKS-Zwischenmüll-Lager auf der Deponie bleibt Gesprächsthema
Aufgrund des weiterhin hohen Restmüllaufkommens und somit Auslastung der Schweinfurter Müllverbrennungsanlage wird immer noch ein Großteil des Müll-Zwischenlagers auf der Deponie vom GKS benötigt, trotz der Bemühungen aller Beteiligten. Allerdings sei man mit dem Betreiber des Müllheizkraftwerks im Gespräch, hierfür einen anderen Standort auf dem Deponiegelände zu finden, der nicht mehr auf der Anhöhe liege, erläuterte Thomas Fackelmann. Neu ist dabei auch, dass die Verantwortung des Zwischenlagers dann auch auf den Betreiber des GKS übergehen würde. Details zur Größe und Anlagengestaltung am neuen Standort innerhalb des Deponiegeländes lägen dann zukünftig dementsprechend auch nicht mehr beim Landkreis, sondern beim Betreiber des GKS Schweinfurt. Die Bürgeraktion plant deshalb dazu weitere Informations-Gespräche mit der GKS-Leitung zu führen.


Blick auf das GKS-Zwischenmüll-Lager 2018

Vorplanung für neuen Verfüllabschnitt auf dem Deponie-Gelände
Bereits seit längerem laufen die Planungen für einen weiteren Verfüllabschnitt auf dem vorhandenen Deponiegelände. Thomas Fackelmann informierte über die aktuell in Vorplanung befindlichen Auslegungen der Abdichtung sowie Sickerwasserführung und -behandlung. Im Moment werden hierzu noch die Träger öffentlicher Belange gehört. Dazu sei man auch mit der Regierung von Unterfranken und dem Wasserwirtschaftsamt in Kontakt. Die Bürgeraktion Müll und Umwelt wird auch diese Planungen weiterverfolgen und aus Bürgersicht bewerten.

Vortrag und Podiumsdiskussion zur Energiewende

„Die Energiewende auf dem Bierdeckel“
In Zeiten des Klimawandels gewinnt das Thema dezentrale Energiewende immer mehr an Bedeutung. Aber was bedeutet dies konkret und wie könnte dies in unserer Region funktionieren? Die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. veranstaltete dazu am 20. November 2019 zusammen mit der BA-BI Schweinfurt e.V. und dem Bund Naturschutz Kreisgruppe Schweinfurt eine Informationsveranstaltung zum Thema dezentrale Energiewende.

Der Abend startete mit dem Vortrag „Die Energiewende auf dem Bierdeckel“ von Dipl. Volkswirt Daniel Bannasch, Vorstand der MetropolSolar Rhein-Neckar e.V.


Im Anschluss an den Vortrag fand nach einer kurzen Pause die  Podiumsdiskussion mit regionalen Energieversorgern statt, bei der es um die Frage ging, wie sieht die Energiewende in unserer Region aus und welche Möglichkeiten sowie Entwicklungen sind geplant und möglich?


Die Teilnehmer der Diskussionsrunde waren Daniel Bannasch, Norbert Zösch (Geschäftsführer Stadtwerk Haßfurt GmbH), Robert Ruppenstein (Bereichsleiter Markt, ÜZ Mainfranken), Gunter Häckner (Stellv. Vorstand Energiegenossenschaft Oberes Werntal), sowie Dr. Herbert Barthel (Energieexperte Bund Naturschutz Bayern).


Die Veranstaltung fand großen Anklang, etwa 130 Zuhörer fanden sich im Saal im Kolpinghotel Schweinfurt ein.


In seinem Vortrag „Die Energiewende auf dem Bierdeckel“ erklärte Daniel Bannasch wie die Energiewende in Deutschland und auch weltweit funktionieren kann. Der Vortrag war so aufgebaut, dass jeder Bürger auch ohne tiefe Fachkenntnisse die Ansätze verstehen konnte.


Mit neun einfachen Bildern, vom Strommarkt bis zur Darstellung wie die Sonnenenergie ins Haus kommt, verdeutlichte der Referent, wie sich die aktuelle Lage darstellt und was zukünftig möglich wäre. Er selbst ist davon überzeugt, dass schon in 15 Jahren eine Vollversorgung durch regenerative Energien möglich ist. Der Referent startete 2006 gemeinsam mit 30 Gründungsmitgliedern das regionale Netzwerk MetropolSolar Rhein-Neckar, das heute mehr als 350 direkte Mitglieder aus der Bürgerschaft, Unternehmen, Verwaltung und Politik von der kommunalen Ebene bis zum Bundestag hat und inzwischen auch bundesweit tätig ist.

Norbert Zösch, Geschäftsführer Stadtwerk Haßfurt GmbH: „Strom aus Erneuerbaren Energien ist wesentlich wirtschaftlicher als aus Großkraftwerken – er kann momentan für 2-3 Cent pro KWh erzeugt werden.“


Dr. Herbert Barthel, Energieexperte BN: Bürgerenergiegesellschaften sieht er als zukunftsfähige Form der Energiewirtschaft, die eine Energiewende “von unten” erfolgreich gestalten können.

Gunter Häckner, Stellv. Vorsitzender, Energiegenossenschaft Oberes Werntal: „Ich wünsche mir Wertschöpfung in der Region im Bereich Energie. Die möglichst schnelle Umstellung unserer Energieversorgung auf Erneuerbaren Energien ist aufgrund der Bedrohungen durch den Klimawandel überlebenswichtig.“

Robert Ruppenstein, Bereichsleiter Markt, ÜZ Mainfranken: „Zukunftsfähige Wärme-/Energiekonzepte sind für eine nachhaltige Energiewende unverzichtbar.“


Dr. Peter Möhringer, erster Vorsitzender der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V., überreichte am Ende der Veranstaltung ein kleines „Dankeschön“ an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion.

Wertschöpfung in der Region: Vom Stromspeicher zum Getreidespeicher

Info-Tour der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V.

Vom Stromspeicher zum Getreidespeicher – moderne Technik bei den Erneuerbaren Energien und in der Ökologischen Landwirtschaft“, war das Motto der diesjährigen Info-Tour am 12. Oktober 2019 der Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V.

„Wir sollten nicht nur technische Lösungen suchen, um den Klimawandel zu mindern, sondern auch darüber nachdenken, wie wir unser Verhalten ändern können“
(Geschäftsführer Stefan Göb, NE-Solar, Werneck)

Die Busfahrt ging zunächst nach Werneck zur Firma NE Solartechnik, um zu erfahren was es Neues gibt in der Solartechnik, auch in Verbindung mit Stromspeicher. „Wir sollten nicht nur technische Lösungen suchen, um den Klimawandel zu mindern, sondern auch darüber nachdenken, wie wir unser Verhalten ändern können“, so Geschäftsführer Stefan Göb zu Beginn. „Wie können wir unser Mobilitätsverhalten umstellen und den zu hohen Resourcenverbrauch reduzieren?“ „Jeder Verbraucher sollte mit diesen Fragen beginnen, denn alles was wir zunächst Einsparen, müssen wir erst gar nicht erzeugen“, so Göb, der seinen Beruf auch aus persönlicher Überzeugung gewählt hat. Er selbst sieht ergänzend zur Energieeinsparung die dezentrale Energiewende durch regionale Stromerzeugung mit Erneuerbaren Energien als entscheidenden Lösungsweg. Neben der Erzeugung und Nutzung von Solarstrom am Tag sei dabei die Kopplung mit Speichern die Basis, entweder durch Umwandlung in Methan oder Gas oder in Solarstromspeicher zuhause.

Wann machen Stromspeicher Zuhause Sinn?
Die Kernfrage für viele Privathaushalte ist, wann Stromspeicher Sinn machen, sowohl technisch als auch wirtschaftlich. Stefan Göb erläuterte, dass dies immer individuell pro Haushalt beraten werden muss, denn es hänge von vielen Faktoren ab, wie z. B. Gesamtstromverbrauch sowie Tages- und Nachtbedarf des Haushalts, oder Häufigkeit der Ladezyklen. Ein tägliches Aufladen am Tag sowie Nutzung und Entleerung des Stromspeichers abends und nachts sollte mindestens etwa 200mal im Jahr erfolgen, damit ein Stromspeicher sich finanziell rentiere und auch unseren Ressourcenverbrauch wirklich reduziert. Bei einem Haushalt mit zum Beispiel durchschnittlichen Jahresbedarf von 4.500 kW/h im Jahr könnten etwa 1.500 kW/h über eine Zwischenspeicherung genutzt werden. So könne man über das Jahr verteilt mit der Eigenstromnutzung und Speicherabrufung eine Stromautarkie von etwa 80% erreichen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch eine intelligente Verbraucherregelung, also wann welche Hauptverbraucher im Tagesverlauf eingeschaltet werden. Momentan gebe es für Solarstromspeicher in Privathäusern auch ein Förder-Programm in Bayern, allerdings nur in Verbindung mit der Anschaffung einer neuen Photovoltaikanlage. Die Höhe der Förderung hänge dabei von der Kapazität des Batteriespeichers ab und kann von 500 Euro bis maximal 3.200 Euro gehen.

Welche unterschiedlichen Speicher es momentan auf dem Markt gibt zeigte NE-Mitarbeiter und Elektrotechnik-Ingenieur Armin Zeitz. Mittlerweile könne der Nutzer aus einer großen Vielzahl an Bauformen und Leistungsklassen auswählen. Dazu stellte er verschiedenartige Lithium-Ionen-Batterien sowie Ladetechniken vor.

Bei der abschließenden Betriebsführung bei NE-Solar konnten sich die Teilnehmer der Infofahrt auch noch verschiedene Ladesäulen für Elektroautos ansehen und lernten darüber hinaus, dass eine gemischte Solardach-Nutzung mit Süd-, West- und Ostrichtung durchaus Sinn macht, um eine ideale Sonnenenergieausbeute ganztägig zu nutzen. Einen wichtigen Appell hatte Stefan Göb auch noch: „Unser Handwerk und auch wir suchen Hände ringend Facharbeiter.“

Ökologische Landwirtschaft – Vielfalt als Basis
Beim zweiten Teil der Info-Tour nahm das Betriebsleiterehepaar Bernhard Schreyer und Petra Sandjohann die Teilnehmer mit auf eine Reise in die Ökologische Landwirtschaft. „Wegen dem Klimawandel wird es zukünftig immer wichtiger, dass wir auf viele verschiedene Sorten und Vielfalt setzen“, so Schreyer.

„Wer einmal auf ökologische Landwirtschaft umgestellt hat, der will nichts anderes mehr machen. “
Bernhard Schreyer, Betriebsleiter Schloss Gut Obbach

Der landwirtschaftliche Betrieb wurde 1998 auf biologisch-organische Landwirtschaft nach den Richtlinien von Naturland umgestellt und baut eine sieben gliedrige Fruchtfolge an. Spannend zu hören war, wie das Ehepaar immer wieder neue Projekte gestartet hat, um den Hof weiter zu optimieren. „Wer einmal auf ökologische Landwirtschaft umgestellt hat, der will nichts anderes mehr machen. Man muss immer wieder neue Probleme lösen, aber mit Kreativität und Spaß gelingt das“, so Schreyer. „Dabei war es für uns immer wichtig, dass wir Projektpartner gefunden haben, mit denen wir uns menschlich gut verstanden und auf Augenhöhe austauschen konnten“, ergänzt Petra Sandjohann.

Über die Frage, wie die Fruchtfolge weiterentwickelt werden kann, kam die Idee für ein neues Projekt zusammen mit einem Großabnehmer, der Schälsonnenblumen in größeren Mengen benötigte. Mittlerweile werden gemeinsam mit anderen Naturland-Betrieben über 1000 Tonnen Schälsonnenblumen erzeugt und daraus ca. 350 Tonnen hochwertige, geschälte Sonnenblumenkerne hergestellt. Möglich wurde dies auch durch die Investition in eine komplett neue Sortier- und Bearbeitungsanlage in Verbindung mit einer hochmodernen Speichertechnik, die 2018 in Betrieb ging. Diese zusätzliche Wertschöpfung auf dem Schloss Gut Obbach konnten die Teilnehmer vor Ort besichtigen und staunten, welch umfassende Verfahrenstechnik mittlerweile in den Lagerhallen integriert ist.

Zum Gut Obbach gehört ebenso ein Hofladen, dessen Konzept Petra Sandjohann der Gruppe erläuterte. Neben den selbst erzeugten Obstsäften gibt es verschiedene ökologisch hergestellte Getreidesorten sowie Gemüse, Eier und Brotaufstriche von weiteren Partnern. „Man muss für etwas brennen, damit es richtig funktioniert“, resümierte Bernhard Schreyer. Diesen Eindruck nahmen die Infofahrt-Teilnehmer auch mit nach Hause, denn die Begeisterung des Betriebsleiterehepaar für die verschiedenen Projekte konnte man bei deren Ausführungen regelrecht spüren.

Müll-Lagerung sowie stoffliche Verwertung müssen optimiert werden

24. April 2019: Bericht von der Jahreshauptversammlung
„Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit in Deutschland und in der Region wieder die Müllproblematik erkennt und sich damit vermehrt auseinandersetzt“, so Johannes Neupärtl, stellv. Vorsitzender bei der Jahreshauptversammlung der Bürgeraktion Müll und Umwelt e. V Schweinfurt. Er und erster Vorsitzender Dr. Peter Möhringer gingen im Jahresrückblick auf die Situation im Landkreis und der Stadt Schweinfurt ein. Laut des Umweltvereins sind sich die meisten Bürger gar nicht bewusst, dass auch die Schweinfurter Müllverbrennung aufgrund des hohen Müllaufkommens seit mehreren Jahren trotz Steigerung der Verbrennungsmenge kontinuierlich an der Kapazitätsgrenze ist. Dies zeige sich auch dadurch, dass trotz der Bemühungen der Verantwortlichen, immer wieder Müll auf der Deponie Rothmühle zwischengelagert werden müsse.

Standort des Verbrennungsmüll-Zwischenlagers ist nicht geeignet
Beim jährlichen Besichtigungstermin auf der Deponie Rothmühle im Februar dieses Jahres war die Vorstandschaft enttäuscht wieder ein fast vollständig gefülltes Zwischenlager mit geschätzten 10.000 Tonnen zu sehen. Dass von einem Restmüll-Lager auf einer Deponieanhöhe Geruchsbelästigungen ausgehen können sei dabei jedem bewusst. Hinzu kommt laut Dr. Peter Möhringer die Situation, dass das dortige Zwischenlager in einem Kaltluftströmungsgebiet liegt, wodurch bei schlechter Wetterlage immer wieder Geruchsschwaden nach Bergrheinfeld zum Riedhof und nach Geldersheim sowie Bergl und Oberndorf ziehen und die dort lebende Bevölkerung belaste. „Aus unserer Sicht ist der Standort des Zwischenlagers auf der Deponie nicht geeignet, weshalb wir die Prüfung eines Alternativ-Standortes vom Landratsamt einfordern“, so Peter Möhringer.
Auch bei der städtischen Abfallpolitik sieht die Bürgeraktion noch Potential vor allem durch die Einführung einer Biotonne, um häusliche Bioabfälle getrennt zu sammeln und zu verwerten. Momentan werden diese in der Stadt, anders als im Landkreis Schweinfurt über die Restmülltonne verbrannt.

Die Bürgeraktion ist nach wie vor der Ansicht, dass die Stadt ihr bisheriges Konzept noch weiter optimieren kann, indem sie die momentan hochwertige Kompostierung von Grünabfällen um die Erfassung und sinnvolle Verwertung von Küchenabfällen aus den Privathaushalten erweitert. Statt Verbrennung über die Restmülltonne könnte zum Beispiel eine Vergärung mit anschließender Kompostierung eine wesentlich höhere Energieausbeute sowie zusätzliche Organik liefern. Die Stadt Schweinfurt plant in der ersten Jahreshälfte 2019 eine Restmüllanalyse vorzunehmen, um Klarheit zu bekommen, wie viel Biomüll sich in der Restmülltonne befindet. Dies begrüßt die Bürgeraktion ausdrücklich und wird deshalb in den nächsten Wochen die Gespräche mit den Verantwortlichen der Abfallwirtschaft der Stadt Schweinfurt wieder aufnehmen. Erste konstruktive Gespräche gab es dazu bereits 2018.

Der Bürger ist gefragt: Müllvermeidung und ordentliche Mülltrennung „Jeder Bürger sollte beim Thema Müll aber auch selbst Verantwortung übernehmen“, so Dr. Peter Möhringer. So gebe es zum Beispiel in der Biomülltonne des Landkreises immer noch zu viele Fehlwürfe mit Plastiktüten oder Restmüllteile, die nichts darin zu suchen haben. Die Mehrheit der Bürger, die ordentlich Trennen, sollten mehr belohnt und jene, die sich nicht an die Regeln halten, gemaßregelt werden.

„Generell müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen und alles dafür tun wieder weniger Müll zu produzieren“, so Johannes Neupärtl. Dies fange beim Einkaufen an. Oberstes erstes Ziel muss es sein, so wenig wie möglich Lebensmittelabfall und Verpackungsmüll überhaupt entstehen zu lassen. Man spüre, dass bereits viele Menschen anfangen, umzudenken. Positiv bewertet die Bürgeraktion auch die mittlerweile vielschichtigen Angebote und Initiativen in der Region. So bietet die Ökomodellregion Oberes Werntal immer wieder Veranstaltungen und Märkte mit Direktvermarktern aus dem Landkreis und hier steige erfreulicherweise das lokale Angebot. Hinzu kommen örtliche Stammtische und Gruppierungen, die sich mit Plastikmüllvermeidung beschäftigen, sowie Repair-Cafes, die ihre Dienste anbieten. Passend dazu hatte die Bürgeraktion Müll und Umwelt im Rahmen der Jahreshauptversammlung auch den neu gegründeten Verein SoLaWi Schweinfurt e.V. (Solidarische Landwirtschaft Schweinfurt & Umgebung) eingeladen. Deren Vorsitzender Erich Morgenstern verdeutlichte die Ziele der Organisation. Dazu gehören Naturschutz, faire Arbeitsbedingungen und Selbstversorgung der Mitglieder. Im letzten Jahr hat die Gruppierung in Bergrheinfeld passende Ackerflächen pachten können und sei gut vorangekommen, so dass seit Ende März bereits geerntet werden kann. „Das Angebot wird gut angenommen, wir könnten aber noch einige Mitglieder (Ernteteiler) aufnehmen, resümierte Erich Morgenstern.

Dezentrale Energiewende statt neue Stromtrassen
Solidarisch zeigt sich die Bürgeraktion Müll und Umwelt weiterhin mit der Bewegung „Bergrheinfelder sagt NEIN zu Südlink“ bezüglich der Forderung eine Dezentrale Energiewende zu forcieren, anstatt milliardenteure Stromtrassen zu bauen. Mit höchster Priorität müssen zunächst alle Möglichkeiten zur dezentralen, regionalen Energiegewinnung genutzt werden. Dazu zählen Blockheizkraftwerke, Windenergie, Solarstromgewinnung und Nutzung von moderner Speichertechnologie. Diese Potentiale sind gerade in Bayern bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Hinzu kommt, dass die neuen Stromtrassen offensichtlich nicht nur Windstrom, sondern auch größere Mengen Strom von Kohlekraftwerken aus dem Norden in den Süden transportieren, während hier gleichzeitig schnell regelbare Gaskraftwerke abgeschaltet bleiben. Dies sei kein geeigneter Beitrag um den Klimawandel zu stoppen.

Elektromobilität: Vor allem bei Kurzstrecken umweltfreundlich und wirtschaftlich

„Bei der Verkehrsmobilität wird die Zukunft elektrisch, aber in welchem Zeitraum dies wie schnell kommen wird, ist schwer absehbar“, so Prof. Dr. Bernhard Arndt vom Technologietransferzentrum Elektromobilität Bad Neustadt bei seinem Vortrag in Geldersheim. Die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. hatte am 29. November 2018 zu einem Informationsabend geladen und über 50 Zuhörer diskutierten und tauschten sich intensiv mit dem Professor aus.

Die Fortschritte in der Batterietechnik sind enorm und es passiert momentan sehr viel bei der Weiterentwicklung“
Prof. Dr. Bernhard Arndt

Die elektrische Antriebstechnik hat sich laut Dr. Arndt schon lange bewährt, so z. B. in der Bahn- oder Gabelstaplerindustrie. Auch in der Autobranche gebe es mittlerweile viele Hersteller und Fahrzeugtypen, die sich etabliert haben. Optimierungsfähig sind aber laut Dr. Arndt immer noch die Batterien – und an deren Weiterentwicklung forscht auch das Technologietransferzentrum in Bad Neustadt. Die Fortschritte in den letzten Jahren sind enorm „und es passiert momentan sehr viel“, so der Wissenschaftler. Als Beispiel nannte er unter anderem das „Aktive Balancing“. Bei diesem Verfahren wird die Energie von Zellen mit höherer Ladung auf Zellen mit niedrigerer Ladung übertragen. So erreiche man eine wesentlich höhere Lebensdauer und es sind bis zu 3000 Ladezyklen möglich. Weiterhin zeigten Versuche, dass durch geschicktes Be- und Entladen eine 1,5-fache bis doppelte Lebensdauer erreichbar ist. Auch die Preisentwicklung gehe seit drei bis vier Jahren kontinuierlich nach unten und dies werde in den nächsten Jahren auch so weitergehen, erläuterte Arndt.

250 Kilometer Fahrstrecke ohne Aufladung möglich
Noch immer habe der Verbrennungsmotor aber Vorteile bei der Reichweite, da Benzin oder Diesel sehr viel Energie pro Kilogramm bzw. Liter liefern. So müssten beispielsweise 2,1 Tonnen Batterien eingesetzt werden, um die Energie eines 50 Liter Tanks zu ersetzen. Aber auch hier gebe es bereits große Verbesserungen bei den E-Autos und bei wirtschaftlicher Fahrweise mit wenig zugeschalteten Verbrauchern seien vereinzelt schon über 250 km Fahrstrecke ohne Aufladung gut möglich.

„Elektroautos fahren leise und lokal abgasfrei“
Prof. Dr. Bernhard Arndt

Punktsieger ist das Elektro-Auto im Vergleich zum Verbrenner beim Wirkungsgrad. Dieser liege bei der Batterietechnik bei etwa 85 Prozent und bei Benzin- und Dieselmotoren lediglich bei 23 bzw. 33 Prozent. Diese Eigenschaft und der Vorteil, dass die E-Autos vor allem in Ballungsgebieten und Großstädten leise und lokal abgasfrei fahren wird dazu führen, dass sie vor allem für Kurzstrecken immer mehr eingesetzt werden, zeigt sich Dr. Arndt überzeugt. In China gebe es Städte, bei denen nur noch Elektro-Autos unbeschränkt zugelassen werden können.

Auf Kurzstrecken bewährt – Strom aus Erneuerbaren Energien
Mehrere Besucher meldeten sich zu Wort und berichteten von sehr positiven Erfahrungen vor allem im Kurzstreckenbereich mit Lademöglichkeiten zuhause. Hier sei das E-Auto heute schon wirtschaftlicher als ein Verbrenner und vor allem umweltfreundlicher, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Ein Besucher berichtete auch von neuen Fahrzeugen, die zukünftig an den Außenflächen Solarmodule integriert haben und somit bei Sonnenladung problemlos bis zu 250 km weit fahren können.
Dennoch gibt es noch einige Unzulänglichkeiten, von denen auch Besucher berichteten.

„Ich würde mir trotzdem wieder ein Elektro-Auto kaufen“
Josef Hart aus Geldersheim

Josef Hart aus Geldersheim schilderte mit einigen lustigen Geschichten, was er als E-Fahrer vor allem auf längeren Strecken schon erleben musste. Als Hindernis stellen sich laut ihm des Öfteren die unterschiedlichen und teilweise nicht funktionierenden Bezahlarten an den Ladestationen dar. Hier wünscht er sich, dass die Standard-Zahlkarten der meisten Bürger zukünftig auch für das Aufladen funktionieren. Manchmal sind es laut ihm aber auch einfache Dinge, wie das Fehlen einer vernünftigen Beschilderung zur Ladestation oder defekte Stationen, die den Adrenalinspiegel steigen lassen, wenn nicht klar ist, ob die Reichweite noch bis zur nächsten Lademöglichkeit reicht. Sein Fazit: „Ich würde mir trotzdem wieder ein Elektro-Auto kaufen“, denn in Summe bin ich zufrieden“.

Fehlende Standardisierung bei Ladesteckern
Die fehlende Standardisierung bei den Ladestationen und Ladesteckern sowie Kabel wunderte auch einen anderen Zuhörer. Mit dieser Frage wendete er sich auch an den Vortragenden. Professor Arndt sieht den Grund bei den E-Auto Herstellern: „Hier werden gute Lösungen nicht übernommen, weil jeder seine eigene Technik durchsetzen möchte“. Ob hier eine Standardisierung langfristig machbar sei und kommen wird, könne man heute noch nicht abschätzen. Eine Frage bezog sich auch auf die Ladezeit und Haltbarkeit von Batterien. Beide Themen sind abhängig von den Einsatzgebieten und Handhabung und könne nicht pauschal beantwortet werden. So hängt die Reduzierung der Akkuleistung beispielsweise stark davon ab, wie häufig eine Batterie be- und entladen wird oder ob es schädliche Tiefenentladungen gegeben hat. Auch sei ein Aufladen bis max. 90 Prozent lebenserhaltender als 100 Prozent Maximal-Aufladungen. Die Voll-Ladezeit sei bei Lichtstrom zehn bis zwölf Stunden, bei Drehstrom etwa zwei bis drei Stunden und mit Schnell-Ladestationen sogar in 45 bis 15 Minuten möglich.

Keine Gesamtbilanz für Umweltbelastung bei Batterieherstellung
Kritisch hinterfragt wurden die Umweltbelastungen und Arbeitsbedingungen in Afrika bei der Gewinnung von Rohstoffen für die Batterieherstellung sowie die Abhängigkeit bei den Rohmaterialien von wenigen Ländern. In diesem Zusammenhang kam auch die Frage auf, ob es umweltbelastende Gesamtbilanzen für die Elektro-Auto Herstellung und Nutzung gebe. Laut Professor Arndt liegt dies aber aufgrund der vielen komplexen Teilaspekte bisher nicht vor. Nach Meinung eines Anwesenden müsste man dann aber auch die Frage stellen, ob es denn im Gegenzug auch Bilanzen gebe, unter welchen Bedingungen Rohöl gefördert und transportiert werde und wie viel Umweltzerstörung es durch Unfälle oder defekte Pipelines dabei gibt. Auch hier scheint es keine Gesamtbilanzen zu geben und somit eine Gegenrechnung mehr als schwierig.

„Für Lithium-Ionen Batterien gibt es bereits heute schon gute Recyclingverfahren“
Prof. Dr. Arndt

Abschließend wurde noch von einem Zuhörer darauf verwiesen, dass es hinsichtlich der Verwertung und des Recyclings für E-Autos und Batterien noch keine klaren Vorgaben oder Gesetze gebe und deshalb von der Politik gefordert werden müsse, diese Lücke zu schließen. Professor Arndt berichtete, dass für die Lithium-Ionen Batterien bereits heute schon gute Recyclingverfahren zum Einsatz kommen, die funktionieren. Hier werde durch ein neues Batteriemanagement die Wiederverwendung ermöglicht und die Zellen blieben erhalten.
Die rege Diskussion und der intensive Austausch während der Veranstaltung zeigten, dass das Thema momentan auf großes Interesse stößt und sich immer mehr Menschen überlegen auf Elektro-Autos umzustellen.