Biomasse-Nutzung in Schweinfurt – Konzepte von anderen Städten als Ideen?

Die Bürgeraktion Müll und Umwelt e.V. fordert schon seit mehreren Jahren die Einführung einer Biomülltonne in der Stadt Schweinfurt. Momentan wird Biomüll aus den Haushalten maßgeblich über die Restmülltonne entsorgt und landet somit in der Müllverbrennungsanlage im Gemeinschaftskraftwerk GKS in Schweinfurt. Die laufende hochwertige Komposterzeugung der Stadt für Gartenabfälle ist positiv zu sehen und könnte sicherlich dazu parallel weiterverfolgt werden. Im Vortragsteil der diesjährigen Jahreshauptversammlung lud die Bürgeraktion deshalb Gunter Häckner zu seinem Impulsvortrag „Möglichkeiten der Biomasseverwertung in Schweinfurt“ ein.

„CO2 Emissionen runter und CO2  wieder aus der Atmosphäre holen und langfristig speichern – beides geht mit innovativer Biomassenverwertung“, so Gunter Häckner

Gunter Häckner erläuterte anhand mehrerer Beispiele aus anderen Städten welche alternativen Möglichkeiten es noch gibt, was auch eine klimapolitische Notwendigkeit darstelle. Sein Fazit: „CO2 Emissionen runter und CO2  wieder aus der Atmosphäre holen und langfristig speichern – beides geht mit innovativer Biomassenverwertung“, so Gunter Häckner. Als Biomasse definiert er Waldrestholz, Grüngut, Biomüll aus den Haushalten, sowie Klärschlamm. Laut Häckner entstehe beispielsweise in Dietikon im Kanton Zürich eine Power-to-Gas-Anlage mit mikrobiologischer Methanisierung aus Biomüll. Sie wird auf Basis einer Elektrolyse-Leistung von 2,5 Megawatt ab Ende 2021 synthetisches Methan in das Netz einspeisen. Bei dem Projekt wird die  Müllverbrennungsanlage den regenerativen Strom liefern und zusätzlich wird das im Klärgas vorhandene CO2 aus der benachbarten Abwasserreinigung verwertet werden. Aus Abfall und Abwasser werden die Schweizer so erneuerbares Methan produzieren und in das Gasnetz einspeisen.

Ein weiteres städtisches Beispiel fände sich in Österreich. Dort wurde 2019 eine neue Anlage für Trockenfermentation als modulare Biomüllvergärung eröffnet. Bis zu 7.500 Tonnen organische Reststoffe aus der kommunalen Biotonne werden zukünftig pro Jahr in Wiener Neustadt klimaschonend verwertet.

Als einen weiteren Lösungsweg zeigte Häckner das Beispiel einer Pyrolyseanlage für Wärme und Pflanzenkohle. Die gewonnene Pflanzenkohle sei dabei nicht nur ein langfristiger Kohlenstoffspeicher, sondern auch ideal nutzbar zum Humusaufbau und für die Bodenverbesserung. In Stockholm gebe es hierzu das erfolgreich verlaufende Projekt „Strukturboden mit Pflanzenkohle für Stadtbäume. Hier sieht Häckner auch im Hinblick auf die Planungen für die Landesgartenschau in Schweinfurt ein gutes Potential, innovative neue Techniken auszuprobieren und in das Konzept für die Landesgartenschau mit einzubinden.