Müllvermeidung sowie Wertstoffgewinnung und Dezentrale Energiewende bleiben im Fokus

Jahreshauptversammlung bei der Bürgeraktion Müll und Umwelt
Im Jahresrückblick erinnerte Walter Rachle zu Beginn an das verstorbene Mitglied Gregor Schömig. Er würdigte seinen unermüdlichen Einsatz für den Umwelt- und Naturschutz und seine aktive Unterstützung für die Bürgeraktion.

Wiederwahl des Vorstands
Bei den Neuwahlen wurde der bestehende Vorstand komplett wiedergewählt. 
Von links nach rechts: Schriftführer Georg Rüttiger, stellvertretender Vorstand Johannes Neupärtl, Beisitzer Thomas Geißler, Kassier Walter Rachle und erster Vorsitzender Prof. Dr. Peter Möhringer.

Neben den Neuwahlen gab es auch einen ausführlichen Rück- sowie Ausblick.

„Wir produzieren zu viel Müll“
„Das Thema Abfallwirtschaft in der Region sowie Müllvermeidung und sinnvolle Müllverwertung beschäftigte uns auch im Jahr 2017“, so Prof. Dr. Peter Möhringer, erster Vorsitzender. Auch das Thema AKW-Rückbau, speziell Deponierung von AKW-Bauschutt beschäftigt die Bürgeraktion. Edo Günther, Vorsitzender vom Bund Naturschutz (BN) Schweinfurt wollte dazu wissen, wie die Bürgeraktion zum Verfahren des Freimessens des Abbaumaterials am AKW steht. „Wir sehen dies genauso kritisch wie der BN“, bezog Johannes Neupärtl, stellvertretender Vorstand, Stellung. Die Lagerung von Bauschutt oder sonstigem freigemessenem Material aus dem AKW‐Abriss auf der Deponie Rothmühle lehnen wir darüber hinaus ab, schließlich ist die Region schon genug belastet und der Landkreis muss sein Füllvermögen für die sonstigen lokalen Anforderungen sichern. Generell ist die Entwicklung im Müllbereich erschreckend, da sich die Situation in den letzten Jahren weiter zugespitzt hat. Viele Müllverbrennungsanlagen in Deutschland, so auch das GKS in Schweinfurt, laufen aufgrund des großen Müllaufkommens meist an den Kapazitätsobergrenzen. Bei ungeplanten Störungen werden dann Zwischenlager auf Deponien benötigt. „Unsere Konsum-Gesellschaft hat längst verdrängt, dass wir uns den momentanen Rohstoffverbrauch und die produzierte Menge an Müll auf Dauer nicht mehr leisten können“, so Johannes Neupärtl, stellv. Vorstand der Bürgeraktion. Die Müllvermeidung und eine bestmögliche Verwertung bzw. Wertstoffgewinnung aus dem Müll muss deshalb wieder viel stärker im Vordergrund stehen.

Interessierte Zuhörer bei der Jahreshauptversammlung 2018

Peter Möhringer ging dazu auf die Situation in der Stadt Schweinfurt ein. Obwohl seit Januar 2015 durch EU-Richtlinie die flächendeckende Biomüllentsorgung vorgeschrieben ist weigere sich die Stadt Schweinfurt weiterhin eine Biomüll-Tonne einzuführen. Die Stadt belegt deshalb die hinteren Plätze bei der Biomüllerfassung in Bayern. Weitere Gespräche fanden dazu mit dem Dachverband „Das bessere Müllkonzept“ und dem BN Landesarbeitskreis „Abfall und Kreislaufwirtschaft“ im Februar 2018 in Ingolstadt statt. „Dieses Thema wird uns auch intensiv in diesem Jahr beschäftigen. Hierbei werden wir weiterhin die Forderungen an die Stadt forcieren“, so Möhringer.

Kompostierung: Wichtig und notwendig in der Kreislaufwirtschaft.

Forderung nach dezentraler regenerativer Energie
Vorstandsmitglied Thomas Geißler berichtete über das SuedLink-Projekt und die Situation in Bergrheinfeld. „Wir brauchen keine Strom-Autobahnen für einige große Strom-Konzerne, sondern eine dezentrale Stromgewinnung und Einspeisung in der Region “, so Geißler. Er bemängelte, dass bis heute kein Politiker die Notwendigkeit für die Stromtrassen belegt hätte. „Anstatt regionale Projekte zu fördern, investiert unser Staat hier riesige Summen in solche Stromnetze. Das Geld fehlt dann für vernünftige regionale Konzepte“, so Geißler.

Die Bürgeraktion Müll und Umwelt unterstützt die dezentrale Energiewende in der Region und hat passend dazu im Oktober 2017 im Rahmen einer Bus-Infotour die Power-to-Gas Anlage bei den Stadtwerken in Haßfurt besucht. „Wir hatten großen Zuspruch und viele Informationen dort erhalten“, berichtete Möhringer rückblickend. In der dortigen Pilot-Anlage wird Windstrom in Wasserstoff verwandelt und in einem Pufferspeicher gelagert oder in das Erdgasnetz der Städtischen Betriebe Haßfurt GmbH eingespeist. Durch diese Umwandlung wird der in unmittelbarer Nachbarschaft von Haßfurt erzeugte erneuerbare Strom vor Ort speicherbar.


Ende 2017 zu Besuch bei den Stadtwerken Haßfurt, um die dortige Power-to-Gas Anlage zu besichtigen.

Regionalwert AG: Initiative von Jimmy Weber aus Sennfeld
Über die Ernährungssouveränität in regionalen Wertschöpfungsräumen mit einer Regionalwert AG berichtete am Ende der Veranstaltung Jimmy Weber. Einen kurzen Überblick dazu erhalten Sie auch hier.